Review

März 2006, 31. Jahrgang, p. 126

Zur Ökologie von
Infektionskrankheiten:
Borreliose, FSME und
Fuchsbandwurm

Bayerische Akademie der Wissenschaften
Verlag Dr. Friedrich Pfeil, 2005

Die Reihe Rundgespräche der Kommission für Ökologie, herausgegeben von der Bayrischen Akademie der Wissenschaften ist mit Band 29 "Zur Ökologie von Infektionskrankheiten" um ein weiteres ökologisch und infektionsepidemiologisch wichtiges Fachbuch bereichert worden.

Der Band behandelt die in Mitteleuropa humanmedizinisch relevanten Zoonosen Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis und Fuchsbandwurm-Infektion (der Buchtitel ist an dieser Stelle nicht ganz korrekt!) sowie die Malaria in Europa in einem historischen Rückblick.

Die Referenten des Rundgesprächs vom 11. Oktober 2004 in München sind ausnahmslos anerkannte Experten ihres Fachgebietes. Die Themen werden dementsprechend auf höchstem fachlichem Niveau dargestellt, was aber nicht zu Lasten der Verständlichkeit – auch für interessierte medizinische Laien – geht.

Insbesondere dem Beitrag zur Labordiagnostik der Lyme-Borreliose (Volker Fingerle) ist zu wünschen, dass er weit verbreitet und von vielen gelesen wird, denn: Leider beschränkt sich die dort bemängelte Betrachtungsweise dieser Erkrankung, die nicht immer zwischen Mythen und Fakten differenziert, nicht auf die "Laienkreise" der Patienten und Selbsthilfegruppen, sondern ist auch in Medizinerkreisen weit verbreitet. Dabei stehen, wie Fingerle eindeutig darstellt, für die Diagnostik der Lyme-Borreliose offizielle Richtlinien zur Verfügung, die in den meisten Fällen den sicheren Nachweis bzw. den Ausschluss einer Borreliose ermöglichen. Insbesondere bei den chronischen Manifestationen liegt die Sensitivität des Antikörpernachweises bei nahezu 100 %.

Das Kapitel Frühsommer-Meningoenzephalitis ist insbesondere allen Impfkritikern und allen Kassenvertretern wärmstens zu empfehlen. Die Referenten kommen zu dem klar formulierten Schluss, dass nur eine Optimierung der Impfpolitik, Impfeinstellung und Impfakzeptanz zu einer Abnahme der Erkrankungszahlen führen kann.

Beide Beiträge über die Infektion mit dem Kleinen Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) vermitteln dem Leser ein aktualisiertes, fundiertes Wissen über den Infektionszyklus, die Verbreitung, die Symptomatik, die Diagnostik und die (begrenzten) Möglichkeiten der Therapie. Die alveoläre Echinokokkose wird über medizinische Register in den vier mitteleuropäischen Staaten Frankreich, Österreich, Schweiz und Deutschland erfasst. Seit 2001 besteht in Deutschland eine Meldepflicht. Als beunruhigend anzusehen ist der derzeit extrem hohe Durchseuchungsgrad der Füchse mit E. multilocularis sowie die Ausweitung der Endemiegebiete mit zunehmender Bewegung des Fuchsbestandes in die urbanen Randzonen. Die Experten sehen in Sachen Fuchsbandwurm ebenso viel Handlungsbedarf wie bei der Tollwutbekämpfung. Effiziente Präventivmaßnahmen sind die Entwurmung der Füchse in Verbindung mit einer intensiven Aufklärung und Information der Bevölkerung.

Band 29 der Rundgespräche der Kommission für Ökologie ist keineswegs ein Buch nur für infektionsepidemiologische Spezialisten, sondern all denen zu empfehlen, die mit der Prävention, der Diagnose und der Therapie der hier behandelten Zoonosen betraut sind.

Format und Gestaltung sind benutzerfreundlich, die Qualität des Bildmaterials ist ausgezeichnet.

Dr. med. Ulla Ballies
Kiel

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