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22, 2003, p. 126
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Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Rundgespräche der Kommission für Ökologie, Bd. 26: Biologische Vielfalt: Sammeln, Sammlungen und Systematik (2003). – Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 144 S. – ISSN 0938-5851, ISBN 3-89937-014-7, Preis: 22,– €. Die Kommission für Ökologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften hat mit dem Thema »Biologische Vielfalt: Sammeln, Sammlungen und Systematik« ein Problem angesprochen, das vor allem für naturwissenschaftliche Sammlungen und Museen, aber auch für alle Freizeitforscher auf diesem Gebiet brandaktuell ist. Als kompetenter Organisator zeichnete sich hierbei die Zoologische Staatssammlung München mit Prof. Dr. J. Reichholf aus. Das wissenschaftliche Rundgespräch fand am 14.10. 2002 mit Vertretern der Wissenschaft, Politik und Verwaltung statt. Hierbei verweigerte sich jedoch das Bundesamt für Naturschutz in völliger Verkennung der Bedeutung der Problematik für Forschung, Lehre und Naturschutz. Die gedruckten Diskussionsbeiträge können das Thema zwar nicht umfassend bearbeiten, bieten aber aus allen Bereichen des wissenschaftlichen Sammelns und der Systematik interessante und nachdenkenswerte Informationen. Die Themenpalette ist reichhaltig: »Arten, Artkonzepte und Evolution – Was sind und wie entstehen 9 biologische: Arten?« (M. Glaubrecht), »Biodiversität: Zoologische Sammlungen und die globale Erfassung der Vielfalt des Lebens« (W Böhme), »Kriterien, Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlichen Sammelns (J. H. Reichholf), »Bedeutung und Zukunft privater Sammlungen« (D. Herm) »Die biogeografische Datenbank ZOBODAT« (M. Malicky & G. Aubrecht), »Flora, Sammeln und Herbarien« (W. Lippert), »Diversität von Mikroorganismen als Zukunftsressource« (E. Stackebrandt), »Naturschutz kontra Sammler?« (W. Ruckdeschel). Zu jedem Beitrag sind die Diskussionsbeiträge der Teilnehmer angefügt. Nach der aufmerksamen Lektüre der Beiträge dürfte jedem Leser die enorme Bedeutung von naturwissenschaftlichen Sammlungen für die aktuelle und zukünftige biologische und ökologische Forschung klar werden. |
Eindrucksvoll werden hier die Potentiale aber auch die Probleme der biologischen Sammlungen in Deutschland umrissen. Das selbst solche fast akademisch wirkenden Diskussionen wie die um den »richtigen« Artbegriff sich auf wirtschaftliche und gesetzgeberische Maßnahmen niederschlagen, zeigen die Artikel von M. Glaubrecht und W. Böhme. Der Beitrag von J. H. Reichholf über die Kriterien und Grenzen des wissenschaftlichen Sammelns sollte jedem Museumsdirektor und vor allem den Geldgebern seitens der öffentlichen Hand (einschließlich der politisch Verantwortlichen) ins Stammbuch geschrieben werden. Das sich Deutschland aus der ersten Reihe der internationalen Biodiversitätsforschung langsam verabschiedet, liegt eben auch an der mangelnden personellen und finanziellen Ausstattung der biologischen (einschließlich paläantologischen) Sammlungen und Einrichtungen (Museen und Forschungsinstitute). Die ökonomischen Konsequenzen dieser Entwicklung lassen sich jetzt schon erahnen. Glücklicherweise gibt es seit einiger Zeit Bestrebungen, dieser fatalen Entwicklung zu entgehen. Der vorliegende Band ist dafür ein beredtes Beispiel. Allerdings setzt es noch einiges an Umdenken in Deutschland voraus, auch seitens des Gesetzgebers und der verordnungsberechtigten Behörden. Wissenschaftliches Potential ist im Land sehr wohl noch (!) vorhanden. Aber die bestehenden Naturschutzgesetze sind für eine Biodiversitätsforschung, Naturschutzforschung oder gar die Nachwuchsbildung extrem hinderlich. Dies wird sich auch in wenigen Jahren auf die Qualität des Naturschutzes selber auswirken. Solange es für Wissenschaftler (ob im Staatsdienst oder als Freizeitforscher) verboten ist, Tiere für wissenschaftliche oder Bildungszwecke aus der Natur zu entnehmen, aber z.B. die Landwirtschaft wie bisher mit steuerlichen Mitteln hoch subventioniert wird, solange wird die Biodiversitäts- und Naturschutzforschung ein Schattendasein führen. Das es auch anders geht, zeigen unsere europäischen Nachbarn. Vielleicht hilft der vorliegende Band der Rundgespräche, dieses Problem einer Lösung zuzuführen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen zuletzt. Matthias Hartmann |
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