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Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie e.V.
16. Jahrgang, Heft 2, August 2002
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BAYERISCHE AKADEMIE der WISSENSCHAFTEN (Hrsg., 2001): Gebietsfremde Arten, die Ökologie und der Naturschutz. 147 S., 32 Abb., München (Verlag Dr. Friedrich Pfeil: Rundgespräche der Kommission für Ökologie, Bd. 22), Euro 20,45 (ISBN 3-931516-92-X). Gebietsfremde Arten werden schon eine geraume Weile sehr kontrovers diskutiert. Erscheint diese Diskussion bei solchen Arten, die sich rasch ausgebreitet haben und dann in Konkurrenz zu Nutzpflanzen oder menschlichen Aktivitäten getreten sind, noch einfach: handelt es sich doch um Arten, über die weitestgehend Konsens besteht, daß sie bekämpft werden müssen. So wird dies bei weniger auffälligen Arten, die ggf. einzelne Tier- und Pflanzenarten verdrängen, die für den Durchschnitts-Mitteleuropäer keinerlei Bedeutung haben, schon wesentlich problematischer. Stellen sie eine Bereicherung unserer Flora und Fauna dar oder gar eine Gefahr? Solche und ähnliche Fragen wurden in einem Rundgespräch im Oktober 2000, an dem 32 Fachleute teilnahmen, diskutiert. Der Band versammelt neun Beiträge und eine Abschlußdiskussion "Wieviel Veränderung verträgt unsere Natur?" Arealveränderungen von Tier- und Pflanzenarten sind schon so alt wie diese selbst. Allerdings hat der Mensch qualitativ in natürliche Systeme eingegriffen und besonders im Zuge einer zunehmenden Mobilität und des internationalen Handels in immer kürzerer Zeit immer mehr Arten den Sprung selbst über Kontinentgrenzen ermöglicht (so auch Anoplophora glabripennis, s. S. 65 dieses Nachrichten-Heftes). Viele Arten haben Menschen jedoch auch ganz bewußt über die Erde verschleppt mit häufig unerfüllten Nutzungserwartungen. Andererseits wurden damit ganz Ökosysteme vernichtet (z.B. in Neuseeland) und Arten verdrängt oder gar ausgerottet. Andererseits hat es aber auch positive Auswirkungen gegeben und bei den meisten eingeschleppten Arten wissen wir noch immer außerordentlich wenig über ihre Wechselwirkungen mit den Organismen ihrer neu besiedelten Biotope. Das Verhalten von Neophyten und Neozoen in ihren neuen Lebensräumen wird ebenso betrachtet wie die Dynamik von Pflanzeninvasionen. Den Neozoen in Gewässern und der Ackerflora sind weitere Kapitel gewidmet. Gerade am Beispiel der Gewässer wird deutlich, wie wasserbauliche Maßnahmen (insbesondere Kanalbauten wie den Main-Donau-Kanal) natürliche Verbreitungsgrenzen zusammenbrechen lassen und so zu einem Faunenaustausch führen, dessen Bedeutung noch gar nicht voll erfaßt werden kann. Der Frage "Was macht Arten invasiv?" wird aufgrund theoretischer Überlegungen nachgegangen wobei insbesondere das Schlüssel-Schloß-Prinzip (zusammenpassende Eigenschaften des Invadors und des invadierten Ökosystems) und eine zeitlich differenzierte Betrachtungsweise (Prozessdifferenzierung) diskutiert werden. Der Band faßt viele wertvolle Informationen und Anregungen zu dem sehr vielschichtigen Themenkomplex zusammen. Er zeigt auch, wie schwer es sein wird, prospektiv zu entscheiden, ob eine Art, die eingeführt und freigesetzt werden soll (z.B. im biologischen Pflanzenschutz), nicht doch auch Probleme für einzelne Arten oder gar ein Ökosystem heraufbeschwören kann. Der Band stellt für alle, die sich im Naturschutz, in der Schädlingsbekämpfung oder der Grundlagenforschung mit Fragen zu invasiven Arten konfrontiert sehen, einerseits eine wichtige Informationsquelle, und andererseits eine Verständnis- und Argumentationshilfe dar. Darüberhinaus dient er einer rationalen Beschäftigung mit gebietsfremden Arten. H.B. |
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