| Inhalt |
| Verzeichnis der Vortragenden und der Diskussionsteilnehmer am Rundgespräch | 5 |
| Vorwort | 7 |
| Nachruf Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hubert ZIEGLER | 9 |
| Begrüßung durch Herrn Prof. Dr. jur. Dietmar WILLOWEIT, Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften | 11 |
| Begrüßung durch Herrn Prof. Dr. Karl STETTER, Vorsitzender der Kommission für Ökologie | 13 |
| Andreas BRESINSKY: Einführung in das Rundgespräch: Ökologische Rolle von Pilzen | 15 |
| Franz OBERWINKLER: Die Evolution parasitischer, symbiontischer und saprober Basidiomyceten | 19 |
| Diskussion der beiden Vorträge | 35 |
| Peter SPITELLER: Chemische Verteidigungsstrategien der Pilze | 37 |
| Wolfgang STEGLICH: Erforschung und Anwendung der Strobilurine | 43 |
| Diskussion der beiden Vorträge | 51 |
| Michael FISCHER: Nischengebundene Sippenbildung bei Holz bewohnenden Pilzen – experimentelle Befunde | 53 |
| Diskussion | 62 |
| Ralph HÜCKELHOVEN, Hans HAUSLADEN, Michael HESS und Ruth EICHMANN: Phytopathogene Pilze in der Landwirtschaft | 63 |
| Diskussion | 71 |
| Karin PRITSCH: Biokontrolle als Alternative zu Fungiziden in der Landwirtschaft? | 73 |
| Diskussion | 79 |
| Martin HOFRICHTER, Christiane LIERS, Matthias KINNE und René ULLRICH: Abbau und Transformation von Lignin und Huminstoffen durch Pilze | 81 |
| Diskussion | 95 |
| Arthur SCHÜSSLER: Struktur, Funktion und Ökologie der arbuskulären Mykorrhiza | 97 |
| Diskussion | 109 |
| Reinhard AGERER: Bedeutung der Ektomykorrhiza für Waldökosysteme | 111 |
| Diskussion | 121 |
| Wolfgang OSSWALD: Durch Phytophthora-Pathogene verursachte Epidemien an Bäumen | 123 |
| Diskussion | 129 |
| Dagmar TRIEBEL: Pilzherbarien – Neue Aufgaben im Bereich Biodiversitätsinformatik und Datenmanagement | 131 |
| Diskussion | 145 |
| Andreas BRESINSKY: Wie wird es mit der Pilzforschung in Deutschland weitergehen? Beitrag zur abschließenden Diskussion über das Rundgespräch | 147 |
| Liste der im Buch genannten taxonomischen Begriffe | 151 |
| Schlagwortverzeichnis | 155 |
Franz OBERWINKLER:
Die Evolution parasitischer, symbiontischer und saprober Basidiomyceten
[16 Seiten, 6 Farb- und 8 Schwarzweißabbildungen]
Parasitismus an Pilzen und Pflanzen ist bei ursprünglichen Basidiomyceten
(Ständerpilzen) weit verbreitet. Hierzu zählen u. a. die ökonomisch
wichtigsten pilzlichen Pflanzenparasiten, die Rostpilze (Uredinales). Ihre Bindung
an Farne und Samenpflanzen, der häufig auftretende, obligate Wirtswechsel
sowie ihre Evolution in Abhängigkeit von Großvegetationen verweisen
auf komplexe ökologische Zusammenhänge in ihren Lebensräumen.
Brandpilze (Microbotryales und Ustilaginomycetes) haben als Pflanzenparasiten
andere Lebensstrategien entwickelt.
Basidiomyceten, die Pilze parasitieren (Mykoparasiten), sind fast ausschließlich
in ihren basalen Gruppen präsent. Die größte Biodiversität
der Schildlausparasiten (Septobasidiales) wurde in den Tropen und Subtropen erreicht.
Für die Herkunft und Evolution symbiontischer Pilz-Wurzel-Lebensgemeinschaften
spielen die Sebacinales eine zentrale Rolle. Deren Vorkommen in Pilzassoziationen
bei beblätterten Lebermoosen, in Ekto- und Orchideenmykorrhizen sowie in
Pilzvergesellschaftungen der Ericales wurde erst in jüngster Zeit erkannt.
Ihre ökologische Bedeutung kann derzeit nur erahnt werden. Rätselhaft
ist, wie die Diversität von Mykorrhizierungstypen in Abhängigkeit von
ihren pflanzlichen Partnern, insbesondere der Bedecktsamer, entstand. Ungeklärt
ist ferner, ob Ektomykorrhizen der Basidiomyceten einmal bei Sebacinales entstanden
und dann mehrfach konvergent in nachfolgenden Gruppen zu Gunsten saprober Lebensweisen
verschwanden, oder ob diese Entwicklung umgekehrt verlief.
Peter SPITELLER:
Chemische Verteidigungsstrategien der Pilze
[6 Seiten, 2 Farb- und 3 Schwarzweißabbildungen]
Ähnlich wie viele Pflanzen haben auch Pilze chemische Verteidigungsmechanismen entwickelt, um sich gegen Angreifer zu schützen und gegen Konkurrenten durchzusetzen. Während etliche Wirkverbindungen, die permanent in Pilzen vorkommen und somit der konstitutiven chemischen Verteidigung von Pilzen dienen, schon länger bekannt sind, hat man die verwundungsaktivierte chemische Verteidigung, bei der ein Wirkstoff erst bei Verletzung aus einer inaktiven Vorstufe gebildet wird, in Höheren Pilzen bisher oft übersehen. Anhand zweier Beispiele belegen wir, wie man über einen Vergleich der Metabolitenprofile intakter und verletzter Pilze verwundungsaktivierte Verteidigungsmechanismen gezielt aufspüren kann. Außerdem wird dabei deutlich, dass Höhere Pilze ähnlich originelle Verteidigungsmechanismen wie Pflanzen entwickelt haben.
Wolfgang STEGLICH:
Erforschung und Anwendung der Strobilurine
[8 Seiten, 6 Farb- und 1 Schwarzweißabbildungen]
30 Jahre nach ihrer Entdeckung haben sich die Strobilurine zu einer der wichtigsten Klassen von Agrarfungiziden entwickelt. Der Artikel beschreibt den langen Weg von der Entdeckung dieser Verbindungen in Kulturen des Kiefernzapfenrüblings (Strobilurus tenacellus) über synthetische Arbeiten im Labor, das Erkennen von Struktur-Wirkungsbeziehungen, die entscheidende Stabilisierung der Naturstoffe gegen Sonnenlicht durch Einbau eines Benzolringes, bis hin zur Optimierung der Leitstruktur und Entwicklung kommerzieller Agrarfungizide durch führende Chemieunternehmen. Neueste Entwicklungen zeigen, dass sich diese Verbindungen auch positiv auf die Pflanzengesundheit auswirken.
Michael FISCHER:
Nischengebundene Sippenbildung bei Holz bewohnenden Pilzen – experimentelle
Befunde
[9 Seiten, 7 Schwarzweißabbildungen, 3 Tabellen]
Pilze besiedeln eine Vielzahl von ökologischen Nischen. Der Lebensraum
Holz ist dabei einer der wichtigsten und die Zahl der damit verbundenen Pilzsippen
geht in die Tausende. Die große Gruppe der Feuerschwämme, Phellinus s.
l. (Basidiomycetes), beinhaltet weltweit mehrere Hundert Sippen und es lassen
sich innerhalb dieser Gruppe verschiedene Stadien von nischengebundener Differenzierung
feststellen. Über verschiedene taxonomische Rangstufen reicht dies von äußerlich
kaum oder gar nicht unterscheidbaren sog. biologischen Arten bis hin zu Artengruppen,
die neuerdings auch als eigene Gattungen betrachtet werden.
Der vorliegende Beitrag bezieht sich schwerpunktmäßig auf ein einzelnes
Fallbeispiel mit phytopathologischer Relevanz. Die in Deutschland seit etwa 20
Jahren auftretende sog. Esca-Krankheit der Weinrebe wird von einer Reihe Holz
bewohnender Pilze verursacht, die in einer zeitlichen Sukzession aufeinanderfolgen
und sich dabei verschiedene Nischen innerhalb der Wirtspflanze erschlossen haben.
Der in Europa mit der Krankheit assoziierte Weißfäuleerreger ist der
erst kürzlich neu beschriebene Mittelmeer-Feuerschwamm, Fomitiporia mediterranea
(Fmed). Offensichtlich ist dieser Basidiomycet erst vor kurzer Zeit aus den
Regionen rund um das Mittelmeer nach Mitteleuropa eingewandert. Hier trifft er
nun auf einen sehr nah verwandten, nach äußerlichen Merkmalen aber
nicht unterscheidbaren Doppelgänger, Fomitiporia punctata (Fop).
Die beiden Arten kommen in Deutschland sympatrisch, das heißt in geografischer
Nachbarschaft zueinander, vor. Bei näherer Betrachtung unterscheiden sie
sich in einer Reihe »unsichtbarer« Merkmale, die zum Teil als spezifische
Anpassungen an die entsprechenden Lebensräume gedeutet werden können
und die eine Etablierung am selben Standort zumindest stark einschränken.
Bedingt durch Kreuzungsbarrieren sind Hybridbildungen zwischen den Sippen nicht
möglich; physiologische oder ggf. auch morphologische Unterschiede werden
so fixiert. Die beobachteten Phänomene sind innerhalb der Pilze offensichtlich
weiter verbreitet und spielen eine wesentliche Rolle bei einer nischengebundenen
Sippendifferenzierung.
Ralph HÜCKELHOVEN, Hans HAUSLADEN,
Michael HESS und Ruth EICHMANN:
Phytopathogene Pilze in der Landwirtschaft
[8 Seiten, 5 Schwarzweißabbildungen]
Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung steigt der Bedarf für die Produktion von pflanzlichen Nahrungsmitteln und Biomasse. Diese Produktion ist heute wie in der Vergangenheit gleichermaßen durch biotische Schadfaktoren bedroht, wobei mikrobielle Krankheitserreger und insbesondere Pilze die größten Ertragsverluste verursachen. Außerdem gefährden pflanzenpathogene Pilze durch ihre toxischen Metabolite die Gesundheit von Mensch und Tier. Die Pflanzenproduktion sieht sich einer klimatisch zunehmend veränderlichen Umwelt gegenüber, was die Verletzbarkeit der Agrarproduktionssysteme erhöht. Dies bewirkt unter anderem, dass neue, invasive oder schwer kontrollierbare Schaderreger die Pflanzenproduktion in Mitteleuropa bedrohen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit neuartiger Konzepte zur Gesunderhaltung von Kulturpflanzen. Diese sollten sowohl der optimalen Nutzung vorhandener Maßnahmen des konventionellen Pflanzenschutzes dienen als auch das innovative Potential nutzen, das die grüne Biotechnologie zur Verfügung stellen könnte.
Karin PRITSCH:
Biokontrolle als Alternative zu Fungiziden in der Landwirtschaft?
[7 Seiten, 5 Schwarzweißabbildungen]
Fungizide werden im Pflanzenbau eingesetzt, um quantitative und qualitative
Ertragsminderungen durch Pilze zu reduzieren. Aufgrund ihrer unerwünschten
Nebenwirkungen, wie z. B. Rückstände in Nahrungsmitteln, und aufgrund
z. B. der geringen Wirksamkeit bei bodenbürtigen, wurzelinfizierenden Pilzen,
wo ein Kontakt zwischen Fungizid und Erreger kaum zu erreichen ist, ist es wünschenswert,
Alternativen zu Fungiziden zu finden. In natürlichen Ökosystemen existieren
verschiedene Mechanismen, die dazu beitragen, Populationen von Pathogenen zu
kontrollieren. Dazu gehört die Biokontrolle, d. h. die Bekämpfung eines
Krankheitserregers mit Hilfe lebender Organismen (z. B. Pilze oder Bakterien).
Insbesondere bei den schwer zu bekämpfenden, bodenbürtigen Erregern
wird intensiv an der Möglichkeit der antagonistischen Biokontrolle geforscht.
Der Boden stellt für Mikroorganismen ein sehr dicht besiedeltes, jedoch
nährstofflimitiertes Habitat dar. Um entsprechende Nischen zu besetzen und
an Nährstoffe zu gelangen, haben Bodenmikroorganismen Merkmale entwickelt,
die einen Selektionsvorteil gegenüber Konkurrenten bieten, wie z. B. die
Produktion antibiotisch wirksamer Substanzen. Neue Untersuchungen zeigen, dass
nur ein Bruchteil der Substanzen und Mechanismen bekannt ist, die an solchen
Interaktionen beteiligt sind.
Eine Herausforderung für die Forschung ist daher, die vielfältigen
Interaktionen zwischen den Mikroorganismen aufzudecken und zu verstehen, um das
enorme Potential der antagonistischen Biokontrolle natürlicher im Boden
vorkommender pilzlicher und bakterieller Populationen zu nutzen. Die Nutzung
hoch auflösender Massenspektrometrie und DNS-basierter molekularbiologischer
Analysen wird an zwei Beispielen, einem Pathogen im Getreideanbau (Gaeumannomyces
graminis) und einem zunehmend bedeutenden Pathogen an Waldbäumen (Phytophthora
citricola), skizziert.
Martin HOFRICHTER, Christiane LIERS,
Matthias KINNE und René ULLRICH:
Abbau und Transformation von Lignin und Huminstoffen durch Pilze
[14 Seiten, 8 Farb- und 3 Schwarzweißabbildungen]
Als universelle Destruenten und ausgestattet mit einem vielseitigen Enzymbesteck sind die zahlreichen Vertreter des Pilzreiches in nahezu jedem terrestrischen Ökosystem zu finden. So begegnet man ihnen in der Streuschicht von Wäldern und Wiesen, in sich zersetzenden Überresten von Pflanzen und Tieren sowie in tierischen Ausscheidungsprodukten (Dung). In diesen Lebensräumen bilden Pilze einen Hauptteil der lebenden Biomasse und spielen eine zentrale Rolle beim Recycling des organischen Kohlenstoffs, vor allem beim Abbau persistenter pflanzlicher Polymere. Die bemerkenswerteste Abbauleistung der Pilze betrifft in diesem Zusammenhang die Zerlegung und Mineralisierung des Holzstoffes Lignin. Dabei handelt es sich um einen Hauptbestandteil der pflanzlichen Biomasse, der den Zellwänden und Geweben Festigkeit und Stabilität verleiht und die Polysaccharide (Zellulose, Hemizellulosen) vor mikrobiellen Angriffen schützt (»Ligninbarriere«). Lignin ist ein komplexes aromatisches Polymer, das nicht durch herkömmliche Enzyme gespalten werden kann. Interessanterweise ist es im Laufe der Evolution nur den filamentösen Pilzen (viele Basidiomycota, einige Ascomycota) gelungen, biochemische Mechanismen zu entwickeln, um das Lignin substantiell zu zerlegen und zu mineralisieren. Sie scheiden hierzu spezielle Enzyme (Peroxidasen, Peroxygenasen, Polyphenol-Oxidasen/Laccasen, Feruloyl-Esterasen) aus, die das Ligninpolymer bzw. seine Bindungsstellen zu den Polysacchariden spalten. Eine Schlüsselstellung nimmt dabei die Mangan-Peroxidase ein, die den Ligninabbau durch Holz und Streu zersetzende Basidiomycota (Weißfäulepilze) einleitet. Am pilzlichen Ab- und Umbau von Huminstoffen, die sich z. T. direkt vom Lignin ableiten, sind ähnliche biokatalytische Mechanismen und Prozesse beteiligt wie am Ligninabbau.
Arthur SCHÜSSLER:
Struktur, Funktion und Ökologie der arbuskulären Mykorrhiza
[16 Seiten, 6 Schwarzweißabbildungen, 1 Tabelle]
70-90 % der Höheren Landpflanzen sind mit Pilzen in Form einer arbuskulären
Mykorrhiza (AM) vergesellschaftet, einer seit mehr als 400 Millionen Jahren existierenden
Symbiose. Es ist bereits anhand dieser Zahlen offensichtlich, dass pilzliche
Wurzelsymbionten eine enorme ökonomische und ökologische Bedeutung
haben. Die Pilzpartner in der AM nehmen anorganische Nährstoffe und Wasser
aus dem Boden auf und stellen diese der Pflanze zur Verfügung. Im Gegenzug
erhalten sie von der Wirtspflanze die benötigten Kohlenhydrate. Durch diesen
ausgeprägten bidirektionalen Nährstofftransport spielen AM-Pilze eine
wichtige Rolle in den globalen Stoffkreisläufen von Phosphor (P), Stickstoff
(N) und Kohlenstoff (C). Aufgrund ihrer zentralen Stellung an der Schnittstelle
Boden-Pflanze prägen sie zudem direkt und indirekt die Diversität und
Produktivität von Pflanzengemeinschaften. Darüber hinaus können
AM-Pilze die Resistenz von Pflanzen gegenüber Pathogenen sowie Trockenstress
erhöhen.
Trotz dieser bedeutenden Funktionen von AM-Pilzen, die wir in fast allen terrestrischen Ökosystemen
finden, ist ihre Biodiversität in Bezug auf funktionelle und ökologische
Aspekte wenig verstanden. Von den etwa 220 derzeit beschriebenen Arten (www.amf-phylogeny.com)
ist die Mehrzahl noch nicht kultiviert und es wird vermutet, dass insgesamt weniger
als 5 % der existierenden Artenvielfalt beschrieben ist. Vor diesem Hintergrund
wird deutlich, dass die meisten AM-Pilzarten nicht aus Bodenproben identifiziert
werden können. Um die wichtigen funktionellen und ökologischen Aspekte
der AM-Pilzgesellschaften zu erkennen, die je nach Pflanze und Umweltbedingungen
in ihrer Zusammensetzung variieren, ist es aber erforderlich, diese Gesellschaften
in ihrer Umgebung zu charakterisieren. Da die AM-Pilze in Wurzeln morphologisch
nicht identifiziert werden können, ist die Anwendung geeigneter molekularer
Methoden, deren Entwicklung schnell voranschreitet, hierbei entscheidend.
Reinhard AGERER:
Bedeutung der Ektomykorrhiza für Waldökosysteme
[11 Seiten, 2 Farb- und 5 Schwarzweißabbildungen, 1 Tabelle]
Die bestandesbildenden Bäume unserer Wälder können ohne Hilfe von Pilzen nicht leben. Sie gingen deshalb im Verlaufe der Evolution eine Symbiose in Form von Ektomykorrhizen ein. Ein interzelluläres Wachstum des Pilzes in der Wurzel, ein ausgeprägter Hyphenmantel um die Wurzel herum und unterschiedlich ausgeprägte Myzelsysteme ermöglichen die Aufnahme von Wasser und Nährionen und deren Transport zum Baum. Die Pilze werden dafür vom Baum mit Kohlenhydraten versorgt. Die morphologische und anatomische Diversität der Ektomykorrhizen weist darauf hin, welche funktionelle und ökologische Bedeutung die Ektomykorrhizen als Kohlenhydratverbrauchsorte und gleichzeitig als Nährstofflieferanten besitzen können. Stellvertretend für andere anthropogene Einflüsse wird anhand von Ozon zeigt, dass Ektomykorrhizen-Gemeinschaften erheblich auf Umweltveränderungen reagieren können.
Wolfgang OSSWALD:
Durch Phytophthora-Pathogene verursachte Epidemien an Bäumen
[7 Seiten, 3 Farbabbildungen, 1 Tabelle]
Phytophthora-Pathogene (Chromista: Oomycetes) verursachen weltweit
große Schäden an krautigen Pflanzen und an Bäumen. Am Ende der
1990er Jahre kam es an der Westküste Kaliforniens zu einem massiven Absterben
von Eichen (u. a. Quercus agrifolia) und Tanoks (Lithocarpus densiflorus).
Das Laub junger als auch alter Bäume färbte sich braun und fiel ab.
Als ursächlicher Erreger wurde eine neue Phytophthora-Art, P.
ramorum, erkannt und beschrieben, die höchstwahrscheinlich über
bereits infizierte Rhododendren in das Ökosystem gelangte. Als eigentliche
Inokulumquelle wurde die einheimische Umbellularia californica erkannt.
Von deren Blättern werden Zoosporangien und Zoosporen durch Spritzwasser
und Wind auf die hochanfälligen Eichen übertragen. P. ramorum infiziert
diese direkt über den Stamm, zerstört Phloem und Kambium und unterbricht
den Kohlenhydrattransport aus den Blättern in die Wurzeln. Ist der Stamm
geringelt, so stirbt der Baum als Ganzes rasch ab. P. ramorum wurde auch
in den Baumschulen vieler europäischer Länder an Rhododendren und Viburnum gefunden.
Das Pathogen ist aber mit Ausnahme einiger weniger Fälle in Großbritannien
und den Niederlanden noch nicht in europäischen Wäldern beobachtet
worden.
Seit einigen Jahren breitet sich eine neue Phytophthora-Hybride entlang
unserer Flüsse aus, die hoch virulent gegen Alnus glutinosa ist.
Sie wurde als P. alni neu beschrieben und ist in drei Subspezies europaweit
verbreitet. P. alni ist bodenbürtig und infiziert Feinwurzeln oder
Adventivwurzeln. Von dort wächst sie im Stamm hoch und zerstört die
Rinde. Ist der Stamm geringelt, so stirbt der Baum ab; er verliert die Blätter
und zeigt vertrocknete Äste in der Krone. Sowohl für P. ramorum als
auch für P. alni muss zukünftig Sorge getragen werden, dass
die beiden hoch aggressiven Arten nicht weiter oder neu, über bereits infizierte
Baumschulpflanzen, in unsere Ökosysteme gelangen.
Dagmar TRIEBEL:
Pilzherbarien – Neue Aufgaben im Bereich Biodiversitätsinformatik
und Datenmanagement
[15 Seiten, 3 Farb- und 6 Schwarzweißabbildungen, 1 Tabelle]
Naturwissenschaftliche Sammlungen wie Pilzherbarien sind Forschungsinfrastruktur- und Wissenschaftseinrichtungen mit großer Bedeutung für Wissenschaft und Gesellschaft. Sie erfüllen traditionell eine Reihe wichtiger Aufgaben, wobei mit Einzug des digitalen Zeitalters neuartige Herausforderungen im Bereich der Biodiversitätsinformatik und des Datenmanagements hinzukamen. Biologische Forschungsdaten müssen digitalisiert, nachhaltig gepflegt sowie zur Analyse prozessiert werden. Im Allgemeinen sind sie komplexer, als es zum Beispiel Daten aus dem Bibliothekswesen sind. Dies verdeutlichen die Modelle der Datenbanken im Rahmen der Diversity Workbench sowie die dargestellten Datenflüsse aus den Bereichen taxonomische Daten, Sammlungsdaten, Beobachtungsdaten und ökologische Daten von Pilzen. Innovative Entwicklungen in der Biodiversitätsinformatik und zum Management biologischer Daten können langfristig nur in Kooperationsprojekten von Biologen und Informatikern durchgeführt werden. Entsprechende Projekte müssen daher auf Langfristigkeit angelegt sein. So erscheint es sinnvoll, Abteilungen für Biodiversitätsinformatik zu etablieren und in diesem Kontext eine Institutionalisierung von Datenrepositorien, d. h. digitalen Archiven für biologische Daten, anzustreben. IT-Zentren mit diesem Auftrag sollten an Infrastruktureinrichtungen eingerichtet werden, wie es Naturwissenschaftliche Sammlungen sind.
| Copyright © 2012 Verlag Dr. Friedrich Pfeil |
[1385]