Besprechung

München, 5. September 2003, Nr. 36, S. 11

Hochwasser – Katastrophe oder Chance?

Eine Veröffentlichung der Kommission für Ökologie

Für Menschen, die in flussnahen Siedlungsgebieten leben, bedeutet Hochwasser ein enormes Gefahrenpotenzial. Die jüngsten katastrophalen Überschwemmungen an Donau und Elbe und ihren Nebenflüssen im Sommer 2002 haben dies wieder gezeigt. Flussnahe Auenlandschaften hingegen sind in ihrer Ökologie auf regelmäßige Überschwemmungen angewiesen. Hochwasser. kann für die Flora und Fauna dieser Ökosysteme durchaus eine „Chance” bedeuten. „Die Zerstörung dieser Auenlandschaften und damit natürlicher Retentionsräume in den vergangenen Jahrzehnten hat die Hochwässer vielerorts noch verstärkt.”

Von der Kommission für Ökologie wurde im Oktober 2001 eine Fachtagung mit führenden Experten zum Thema Hochwasserschutz veranstaltet. Wie soll heute, so lautete die Fragestellung, ein Hochwasserschutz aussehen, der beiden Aspekten, d. h. sowohl der Ökologie flussnaher Landschaften als auch den Gefährdungen und Ängsten der dort lebenden Menschen gerecht wird? Kürzlich wurden nun die Tagungsergebnisse – Vorträge wie Diskussionen – in dem Berichtband „Katastrophe oder Chance? Hochwasser und Ökologie” vorgelegt. Auch wenn die neuesten Erkenntnisse nach dem jüngsten Sommerhochwasser für den Band nicht mehr ausgewertet werden konnten, vermittelt das Buch dennoch viele wichtige Informationen für Laien wie Experten.

Eingangs werden Hochwässer als historische Phänomene erfasst und bewertet. Anhand ausgewählter Zeitreihen wird die langfristige Wasserdynamik in Mitteleuropa vorgestellt:

Es gab immer wieder hochwasserreiche, dann aber auch wieder hochwasserärznere Phasen. Ein anderer Beitrag erörtert die Schadensentwicklung durch Hochwasser in einer Rückversicherung. Mit den typischen, zum Teil hoch spezialisierten Tieren eines Flusses und ihrer Anpassung an Hochwässer bzw. Trockenfallen beschäftigt sich ein weiterer Aufsatz. „Hochwasser und Austrocknung”, so lautet das Resümee, „bilden die Grundlage für den Artenreichtum in Fließgewässern.” Voraussetzung ist, dass die natürliche Dynamik gefördert wird. „Dieser Weg ist ein nachhaltiger; denn der Fluss,weiß’ am besten, welche Form und Gestalt er benötigt.”

Droht im nächsten Sommer Hochwasser vom Gletscher? Ein Beitrag beleuchtet die Hintergründe von Extremabflüssen, die mit Hilfe eines intensiven Gletschermonitoring vorhergesagt werden können. Eine weitere Untersuchung widmet sich der Landwirtschaft. Diese nimmt große Flächen in Anspruch und trägt damit wesentlich zum Hochwassergeschehen bei. Inwieweit kann durch die Möglichkeiten einer hochwassermindernden Bewirtschaftung und Landschaftsstruktur Wasser besser zurückgehalten werden? Ebenfalls thematisiert wird der naturnahe Ausbau der Flusssysteme. Dabei stehen moderne Möglichkeiten der Abflussberechnung im Mittelmittelpunkt der Untersuchung.

Mit dem Integrierten Rhein-Programm Baden-Württemberg wird ein bewährtes System vorgestellt, in dem durch periodische Flutungen neue Auenbereiche entstanden sind.

So gelang es, die ökologische Seite mit modernem Hochwasserschutz in Einklang zu bringen. Ein Beitrag beschäftigt sich mit der Flussdynamik der Donau bei Ingolstadt in vorgeschichtlicher, geschichtlicher und heutiger Zeit unter Einbeziehung vegetationskundlicher Befunde. Für die Neuzeit lässt sich eine drastische Verminderung des Stauraumes in den Donauauen nachweisen. Die katastrophalen Hochwässer der letzten Jahrzehnte sind die Folge. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, ist die Renaturierung von Auenbereichen unumgänglich, wie sie etwa von der Stadt Ingolstadt zur Zeit mit dem so genannten Lohenprogramm geleistet wird.

Bei der Renaturierung der Isar kommt dem Hochwasser eine besondere Bedeutung zu. Heute wird wieder versucht, überall, wo es möglich ist, naturnähere Verhältnisse an Gewässern zu schaffen. Die Untersuchung zeigt, dass es häufig bereits genügt, die starren Uferbefestigungen zu entfernen, den Geschiebebetrieb wieder zu fördern und die restliche Gestaltung des Flussbetts der Fließgewässerdynamik zu überlassen. Kritisch hinterfragt werden in einem weiteren Artikel in der Veröffentlichung derzeit zu beobachtenden Änderungen der Flora und Fauna am Inn.

Der Band „Katastrophe oder Chance? Hochwasser und Ökologie”, Rundgespräche der Kommission für Ökologie, Band 24 (2002) kann beim Verlag Dr. Friedrich Pfeil, Wolfratshauser Straße 27, 81379 München (Tel. 089/7 42 82 20, Fax 7 24 27 72, e-Mail: info@pfeil-verlag.de) zum Preis von 24 Euro bestellt werden.

Eva Meier

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