Besprechung

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie Teil I

Jahrgang 2007, Heft 3/4, S. 418-419

569. Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.) (2002): Bedeutung der Mikroorganismen für die Umwelt. – In: Rundgespräche der Kommission für Ökologie, Bd. 23. – 142 S., 59 Abb., 9 Tab.; München (Pfeil), 17 x 24 cm, brosch., ISBN 3-931516-97-0; € 20,–.

Die Kommission für Ökologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften führte am 30. April 2001 ihr 25. Rundgespräch durch. Das Thema ist – wie immer in dieser Reihe – mit dem Titel des Bandes identisch. In ihm sind nach dem Verzeichnis der Vortragenden und Diskussionsteilnehmer, dem Vorwort, der Begrüßung durch den Präsidenten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der "Einführung in das Rundgespräch" durch den Organisator Prof. Dr. K.-H. Schleifer die neun Vorträge sowie die dazu geführten Diskussionen zusammengestellt.

Das Vorwort vom Organisator des Rundgesprächs und dem Vorsitzenden der Kommission für Ökologie, Prof. Dr. H. ZIEGLER, beginnt mit dem Satz "Mikroorganismen sind die Grundlage allen irdischen Lebens; sie waren nicht nur die ersten, sondern auch für die längste Zeit der Erdgeschichte die einzigen Lebewesen und schufen durch ihre Sauerstoffproduktion überhaupt erst die Voraussetzung für die Entstehung von Pflanzen und Tieren." Damit ist ihre Bedeutung aber noch nicht ausreichend gewürdigt. K.-H. SCHLEIFER schreibt in seiner "Einführung ..." u. a.: "Sie sind nicht nur zahlenmäßig die häufigsten Lebewesen auf unserem Planeten – so ist jeder einzelne von uns mit 10-100mal mehr Bakterienzellen besiedelt, als er eigene Zellen enthält – sondern sie sollen nach neuesten Schätzungen auch mehr Biomasse als alle anderen Organismen zusammen erzeugen." [Mit "Mikroorganismen" sind in diesem Band immer die Prokaryoten gemeint, also Bakterien und Archaeen.].

Nicht nur in dieser "Einführung", sondern auch in den neun Beiträgen erfährt man sehr viel Neues über die Welt der Mikroorganismen, ihren Stoffwechsel sowie die nicht zu überschätzende Bedeutung für die Umwelt und die Evolution des Lebens. Sieben der neun Beiträge stammen jeweils von einem Autor; nur in zwei Fällen sind zwei Autoren beteiligt. Die Autoren behandeln folgende Themen: Ribosomale RNS als Grundlage für die molekulare Identifizierung von Mikroorganismen, Molekulare Populations- bzw. Funktionsanalyse von Mikroorganismen, Mikrobielle Stoffumsätze im Süßwasser, Mikroorganismen des Meeres, endophytische Bakterien in Gräsern, Bakterien als Symbionten von marinen Einzellern und wirbellosen Tieren bzw. von Insekten mit ihrer Bedeutung für die Pflanzen sowie Mikroorganismen an extremen Standorten. Mit letzteren sind hyperthermophile Archaeen und Bakterien gemeint, die in terrestrischen, unterirdischen und submarinen Hochtemperaturgebieten leben und ein optimales Wachstum erst über 80 °C zeigen. Dazu gehört das chemolithoautotrophe Archaeon Pyrolobus fumarii, das noch bei 113 °C wächst und die oberste Temperaturgrenze des Lebens repräsentiert.

Im Anschluß an diese Beiträge findet der Leser noch eine Zusammenfassung des ganzen Rundgesprächs durch den Organisator K.-H. SCHLEIFER sowie die Abschlußdiskussion zum Thema "Das Artkonzept in der Mikrobiologie". Keiner der Autoren gab bei der Nennung von Gattungs- oder Artnamen den jeweiligen Autor und die Jahreszahl mit an. Das wäre für systematisch arbeitende oder interessierte Leser doch sicher sehr interessant gewesen. Die Redakteurin Dr. C. DEIGELE ließ den Autoren relativ viel Freiheit: So findet man beispielsweise Prokaryonten neben Prokaryoten oder (bei einem und demselben Autor) 16S-rRNS neben 16S-rRNA. Zum Schmunzeln ist der Druckfehler auf S. 1, wo als Autorenadresse ein Lehrstuhl für Mikronbiologie angegeben ist.

Jeder, der sich für Mikrobiologie interessiert und speziell für Archaeen und Bakterien, findet in diesem Band so viele neue Informationen über den Forschungsstand im Jahre 2001, daß er diesen Band unbedingt lesen sollte. Für Geologen und Paläontologen ist er genauso interessant wie für Botaniker und Zoologen, weil ihnen damit Aspekte oder Forschungsansätze deutlich werden, an die man nicht ohne weiteres oder nicht immer denkt.

D. H. STORCH

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