Besprechung

DERMAforum

Nr. 8 – August 2001, S. 9

H

intergrund der Diskussion im Rahmen der Reihe „Rundgespräche der Kommission für Ökologie” der Bayrischen Akademie der Wissenschaften war einerseits die zunehmende Anzahl von Allergien in westlichen Ländern, andererseits neuere Erkenntnisse aus epidemiologischen Studien, denen zufolge bestimmten Lebensstilfaktoren eine Bedeutung im Allergiegeschehen zukommen könnte.

Allergien eine Zivilisationskrankheit?

Raus aufs Land und ab in den Stall

Die Bayrische Akademie der Wissenschaften legt einen Band vor, der Vorträge und Diskussionen ihrer Kommission für Ökologie zum Thema Allergie beinhaltet

Veranstaltung der Bayrischen Akademie widmete man sich sowohl immunologischen Aspekten – etwa der Frage nach einer genetischen Disposition für Allergien – wie auch der Bedeutung des Themas aus arbeitsmedizinischer und epidemiologischer Sicht. Unter den beschriebenen epidemiologischen Aspek-ten fällt vor allem die Beobachtung auf, dass Kinder im frühen Lebensalter umso mehr Infektionskrankheiten haben, je mehr ältere Geschwister es in der Familie gibt; gleichzeitig sinkt hiermit das Risiko, an Heuschnupfen, allergischer Sensibilisierung oder atopischem Ekzem zu erkranken. Auch diese Beobachtung stützt die These, dass frühkindliche Infektionen einen gewissen Schutz vor Allergien darstellen könnten.
Allergie, eine Zivilisationskrankheit?
Verlag Dr. Friedrich Pfeil,
ISBN 3-931516-86-5

Eingriff ins Immunsystem

So segensreich sich die Entwicklungen der west-lichen Zivilisation – man denke vor allem an den Wandel der hygienischen Bedingungen- auf die Gesundheit und damit auf die Lebenserwartung der Bevölkerung ausgewirkt haben; so unklar ist ihre Rolle im Allergiege-schehen: Schließlich beschränken sich die allgemeinen hygienischen Verbesserungen nicht auf die wesentlichen Bereiche Nahrungsmittel und Wasser, sondern im Zuge von Impfungen und der Krankheitsbekämpfung durch Antibiotika wird auch in das Immunsystem eingegriffen. Aus diesen Überlegungen heraus kreisen die Beiträge in dem Buch, das unter

Federführung von PD Dr. Erika von Mutius und Prof Dr. Klaus Betke entstanden ist; um die Frage: Sind Allergien vielleicht der Preis, den wir für die Errungen-schaften der Zivilisation bezahlen müssen?

Frühkindliche Stimulierung des Immunsystems

Schon seit Jahren ist in den westlichen Ländern ein merklicher Anstieg allergischer Erkran-kungen zu beobachten: In Deutschland soll nahezu ein Drittel aller Schulkinder betroffen sein. Neben anderen Erklärungsversuchen ist die Frager nach einem Zusammenhang von Sozialisation und Allergieentwicklung durchaus lohnend.

In diese Richtung weisen beispielsweise Vergleiche von Kindern in Leipzig und München, die unmittelbar nach Öffnung der Mauer begonnen wurden, oder Vergleiche von Kindern aus ländlicher Umgebung, die, im selben Dorf lebend, im einen Fall auf einem Bauernhof, im anderen Fall ohne Berührung mit der Landwirtschaft aufwachsen.

Arbeitsmedizinische und epidemiologische Aspekte

Es weist einiges darauf hin; dass der Aufenthalt im Stall und die damit verbundene mikrobakterielle Belastung zu einer frühkindlichen Stimulierung des Immun-systems führen könnte, der eine wichtige Rolle im späteren Allergiegeschehen zukommt. Bei der interdisziplinär angelegten

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