Besprechung

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie

Teil II, 2001, Heft 5/6, S. 217-218

386. Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg., 2000): Bergbau-Folgeschäden und Ökosysteme. Rundgespräche Kommission Ökol. 20, 144 S., 60 Abb., 27 Tab., (Dr. Pfeil) München. ISBN 3-931516-84-9. DM 40,–.

Die Entwicklung der Menschheit seit der Steinzeit vollzog sich in Zusammenhang mit der Nutzung natürlicher Rohstoffe, wobei nicht nur die nachwachsenden gemeint sind. Der Abbau von Erzen, Steinen und Erden, Stein- und Braunkohle, Erdöl- und Erdgas sowie die Nutzung von Grundwasser führte sowohl zum Aufschwung in verschiedener Hinsicht als auch zur Suche nach immer neuen Rohstoffen. Dabei wurden zunächst die Folgen der Nutzung bzw. sehr oft des Raubbaus vernachlässigt. Heute weiß man in vielen Gebieten der Erde von den teils dramatischen Folgeschäden des Bergbaus.

Die Kommission für Ökologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften lud im Oktober 1999 wieder einmal zu einem ihrer Rundgespräche ein. Die zehn Vorträge und die Diskussionen dazu sind in diesem Band zusammengestellt. Obwohl die im Titel des Buches (zugleich Titel des 21. Rundgesprächs) genannte Problematik weltweit gilt, befassen sich alle Beiträge mit Themen aus Deutschland. Das sichert dem Band hoffentlich eine besonders intensive Beachtung in Deutschland, weit über den beteiligten Wissenschaftlerkreis hinaus. Hier in Deutschland ist die Thematik ja auch sehr aktuell, man denke nur an den teils weit über 1000 Jahre aktiven Bergbau oder an die sehr großen heutigen Braunkohlentagebaue.

Zunächst werden in einem sehr ausführlichen Beitrag die Fragen der Pyritverwitterung und der Gewässerversauerung behandelt. Dann gibt es insgesamt fünf Beiträge zu den Veränderungen vor, während und nach dem Braunkohlenabbau in der Lausitz, in Mitteldeutschland und am Niederrhein. Ein Beitrag ist der Entwicklung neuer Landschaften auf ehemaligen Montanstandorten im Ruhrgebiet gewidmet: Je ein Beitrag ist den Umweltbelastungen gewidmet, die sich aus dem Erzabbau im Erzgebirge und im Harz ergaben und ergeben. Nach den »Folgerungen, Wertung und Zusammenfassung« von W. PFLUG wird noch die Schlußdiskussion wiedergegeben.

Mit dieser relativ dürren Inhaltsangabe ist die weitgefächerte Thematik des Bandes gekennzeichnet. Dabei beziehen sich die Einzelbeiträge sowohl auf die notwendige Befunddarstellung als auch auf die noch notwendigere praktische Anwendbarkeit der Ergebnisse. Überzeugend wird ausgeführt, welche unterschiedlichen Möglichkeiten es bei der sogenannten »Rekultivierung« nach dem Ende des Bergbaus gibt. Gleichzeitig wird die Notwendigkeit der breiten Einbindung der gesamten Gesellschaft, nicht nur der unmittelbar betroffenen Anwohner, bereits in der Planungsphase betont. Damit sind auch und vor allem die Politiker gemeint, sowohl hinsichtlich der Notwendigkeit der vorausschauenden Planung als auch hinsichtlich der Genehmigung von Forschungsmitteln, weil heute noch viele Problemkreise allenfalls in Ansätzen verstanden sind.

Wer die Beiträge dieses Bandes aufmerksam liest, wird sehr rasch bemerken, wie unterschiedlich die Auffassungen über die Rekultivierung der Bergbaufolgelandschaften sind, sind sie wirklich in jedem Falle notwendig oder ist es nicht besser, große Teile der Landschaft sich selbst zu überlassen, um eine natürliche Entwicklung beobachten zu können? Eines wird dem Leser auf jeden Fall klar werden: In Mitteleuropa gibt es praktisch keine einzige völlig natürliche Landschaft mehr, alle Landschaften sind mehr oder weniger vom Menschen beeinflußt. Die Folgelandschaften des Bergbaus, besonders des sehr großflächig operierenden Braunkohlenbergbaus, angemessen zu gestalten, das ist eine große, lohnende Aufgabe, die weit über den engen Rahmen beispielsweise des Bundesberggesetzes hinausgeht. Die Folgen unseres heutigen Handelns werden noch unsere Urenkel und weitere Generationen zu spüren bekommen und zu tragen haben. Notwendig ist also ein Gesamtkonsens, sicherlich sind neue gesetzliche Regelungen nötig. Die Verantwortung nicht nur für die Mitwelt, sondern in erster Linie für die Nachwelt haben wir jetzt zu tragen. Da lohnt es sich durchaus, sehr gründlich vorher darüber zu beraten, was mit der Landschaft nach dem Bergbau geschehen soll. Ein Beispiel aus diesem Band sei erwähnt: Im niederrheinischen Braunkohlenrevier werden wertvolle Feuchtgebiete durch technischen Einsatz (Beibehaltung des Grundwasserspiegels durch Versickerungsmaßnahmen) »über den Bergbau hinübergerettet – und seien es auch hundert und mehr Jahre«.

Für die Bewältigung dieser wirklich großen und wichtigen Aufgabe sind umfassende, interdisziplinäre Arbeiten nötig, sowohl in der Forschung als bei der Realisierung. Die Bedeutung dieser Aufgabe kann gar nicht genug betont werden. Deshalb sind dem Buch aufmerksame Leser zu wünschen, vor allem unter den Entscheidungsträgern auf allen Ebenen, egal ob Parlamentarier, Regierende oder Wirtschaftsfunktionäre oder Naturwissenschaftler.

Die Aussagen in diesem Band knüpfen teils auch an den Inhalt von Band 18 der Rundgespräche der Kommission für Ökologie an (Entwicklung der Umwelt seit der letzten Eiszeit). Daher sei hier auf die Rezension jenes Bandes hingewiesen.

D. H. STORCH

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