Besprechung

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie

Teil II, 2001, Heft 5/6, S. 218-220Teil II, 2001, Heft 5/6, S.

387. Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg., 2000): Entwicklung der Umwelt seit der letzten Eiszeit. – Rundgespräche Kommission Ökol. 18, 166 S., 62 Abb., 3 Tab., (Pfeil) München. ISBN 3-931516-71-7. Kart. DM 40,–, EUR 20.45, sfr 40,–, öS 282,–.

Um die Auswirkung der sich gegenwärtig vollziehenden Klimaänderungen, die von vielen Autoren überwiegend der Menschheit angelastet werden, richtig verstehen zu können, muß man natürlich die Ausgangszustände kennen und muß über längerfristige Daten verfügen, nicht nur über Meßreihen aus den letzten 150 oder maximal 200 Jahren. Als Modellbeispiele bieten sich demzufolge geologische, paläontologische, paläoklimatische und paläökologische Untersuchungen an, speziell an gut dokumentierten Aufschlüssen, wie z.B. im Niederrheinischen Braunkohlengebiet. Diese Braunkohlen entstanden im Jungtertiär. Damit geht der von MOSBRUGGER verfaßte Beitrag zu den Aussagemöglichkeiten paläökologischer Untersuchungen über den im Titel genannten Zeitraum weit hinaus. An drei Beispielgruppen (Einfluß von Klimafaktoren auf die Ökophysiologie der Pflanzen, Einfluß von Klimaänderungen auf die Diversität und die Strukturen der Vegetation sowie klimaabhängige »Wanderung« von Biomen) wird die Bedeutung dieser Untersuchungsmöglichkeiten besonders bei vergleichsweise langsamen und großräumigen Prozessen sowie für die Validierung von ModelIen unterstrichen. Eingeräumt wird, daß sich bei dem gegenwärtigen Kenntnisstand »für signifikant veränderte Klimaverhältnisse kaum realistische Prognosen über die künftige Vegetationsverteilung erstellen lassen, und zwar weder im regionalen noch im globalen Maßstab.«

Ähnliche Aussagen gibt es auch in den neun anderen Beiträgen dieses Bandes, die sich alle mit dem eigentlichen Thema des Rundgesprächs befassen, der Entwicklung der Umwelt in den letzten 10000 Jahren. Dabei wird darauf hingewiesen, daß der Einfluß des Menschen auf die Umwelt viel weiter zurückreicht, als gemeinhin angenommen. Die Feststellung eines natürlichen Zustandes in Europa ist damit ungemein erschwert, eigentlich fast gar nicht möglich, weil die Einflußmöglichkeiten des Menschen die natürliche Entwicklung stark überlagern.

Wer sich für die Entwicklung der Umwelt in den letzten 10000 Jahren (= Holozän) interessiert, findet hier viele wertvolle Informationen. Bei der Zusammenstellung der Beiträge dieses Rundgesprächs vom April 1999 wurden auch die damals geführten Diskussionen mit aufgenommen, so daß ein sehr interessanter Band herausgekommen ist. Wer sich für die zukünftige Entwicklung des Klimas auf der Erde interessiert, wird aus dem Band manche interessanten Tatsachen entnehmen können. Diese weisen darauf hin, daß die Zusammenhänge viel komplexer sind, als die allermeisten Wissenschaftler noch vor wenigen Jahren dachten. Man wird zur Vorsicht vor so manchen Horrorszenarien gemahnt, wenn man beispielsweise liest, daß während etwa zwei Dritteln des Holozäns die Jahresdurchschnittstemperaturen höher als die heutigen waren

Die Aussagen der Einzelbeiträge, der Diskussionen dazu sowie der Schlußdiskussion dieser Veranstaltung zeigen sowohl die unterschiedlichen Aspekte, ja die Vielfalt des Gesamtthemas und die Verantwortung der Wissenschaftler sowie der gesamten Menschheit für die Umwelt und die weitere Entwicklung. Gegenwärtig wissen wir noch zu wenig und können keine exakten Prognosen erstellen.

Fest steht aber, daß wir uns mehr den Fakten zuwenden und von dem gegenwärtig dominierenden anthropozentrischen Weltbild abkehren sollten. Obwohl wir also noch nicht genügend über die Umweltzusammenhänge wissen, wird doch eines klar: Eine saubere Atmosphäre stellt ebenso wie ein gut erhaltenes, dynamisches Vegetationssystem einen Wert an sich dar, den es zu erhalten und zu bewahren gilt. Wenn diese Einsicht allgemeiner verbreitet und zur Richtschnur für das Handeln würde, »dann wären wir in allen unseren Umweltbemühungen ein ganz erhebliches Stück weiter«.

Die Veranstalter des Rundgesprächs, die Autoren und Diskussionsredner sowie die Redaktion und der Verlag haben mit der Herausgabe des Bandes einen Schritt zur Erreichung dieses Zieles getan. Hoffen wir, daß das Buch auch gelesen und die richtigen Nutzanwendungen gezogen werden: Nicht die Furcht vor Katastrophen, sondern der bewahrende Umgang mit unserer Umwelt sollte Richtschnur des Handelns der Menschheit sein.

D. H. STORCH

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