| Review |
Band 65 Heft 4
SCHULTZE, H.-P. and CLOUTIER, R. (Eds.) Devonian fishes and plants of Miguasha. Quebec, Canada. – Friedrich Pfeil, Publisher, München: 374 pp., 259 figs., 33 tabs.: 1996.
Die vorliegende, sehr gut gedruckte und großzügig ausgestattete Schriftensammlung ist einer Fossillagerstätte gewidmet, welche zwar bereits 1842 entdeckt, dann aber bis 1879 vergessen wurde. Seitdem erfuhr sie jedoch einen "ungeahnten Aufschwung", wurden doch bisher allein über 12 800, oft sehr gut erhaltene Fischreste geborgen, die sich auf 21 (22) Arten aus 20 Gattungen und 15 Familien verteilen, wovon Bothriolepis (4950), Triazeugacanthus (3778), Eusthenopteron (2109) und Scaumenacia (1442) am häufigsten vorkamen. Diese Fischreste haben große Bedeutung für die Phylogenie der Wirbeltiere: Von Eusthenopteron foordi sind inzwischen Anatomie und Morphologie besser bekannt als von jedem anderen fossilen Fisch und von den meisten rezenten Pisces.
Außer den Fischen, einigen Wirbelosen und Koprolithen wurden auch Pflanzenreste gefunden: Diese gehören zu wenigstens sechs Arten der Palaeophyllales, Archaeopteridales, Barinophytales und Spermasporites ("Samenpflanzen"). Neben diesen von Gensel und Barnett-Lawrence beschriebenen Makroresten (Achsen, Blätter, Wedel usw.) liegt aber eine viel reichere Sporenflora vor: McGregor listet 67 Sporenarten auf (leider sind nicht alle abgebildet), die sämtlich trilet sind und von Landpflanzen stammen. Der Verfasser betont ausdrücklich, daß sich unter den Tausenden untersuchter Exemplare nicht ein einziger mariner Palynomorph befand. Demgegenüber wird in anderen Beiträgen des Sammelbandes erwähnt, daß inzwischen einige Acritarchen gefunden, aber noch nicht untersucht wurden. In den insgesamt 25 Beiträgen sind neben der detaillierten Beschreibung aller nachgewiesenen Taxa (außer den Sporae dispersae) auch Forschungsgeschichte und Geologie dieser wichtigen Fossillagerstätte dargestellt.
Die Deutung des Ablagerungsmilieus ist allerdings bisher nicht zweifelsfrei gelungen: Diskutiert werden sowohl lakustrische, ästuarine und brackische als auch küstennahe marine Verhältnisse. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die Rekonstruktion der Paläoumwelt gehört bekanntlich zu den schwierigsten Fragestellungen bei geologisch-paläontologischen Untersuchungen. Weder der vorhandene erhöhte Borgehalt noch die vermeintlich teilweise marinen Spurenfossilien oder die vermutlich endemischen marinen Fischreste stellen eindeutige belege dar, ebensowenig wie die ausschließlich terrestrischen trileten Sporen. Das paläogeographische Argument, daß die nächsten eindeutig marinen Sedimente zur Bildungszeit der Miguasha-Ablagerungen (Unteres Oberdevon, Unteres Frasnium, Archaeopterisaccus ovalis-Verrucosisporites bulbiferus-Zone) etwa 600 km entfernt deponiert wurden hilft auch nicht weiter, da ja die Möglichkeit nicht auszuschließen ist, daß zumindest kurzzeitige marine Ingressionen stattgefunden haben. So wird die endgültige Klärung der Bildungsbedingungen wohl von weiteren Funden abhängen, obgleich der Erstherausgeber sich bereits jetzt für marin-ufernahe und nicht Süßwassersedimentation ausspricht.
Dieser Sammelband kann als gutes beispiel für die moderne interdisziplinäre Bearbeitung einer Fossillagerstätte gewertet und empfohlen werden. Formal betrachtet wurden nur wenige Druckfehler oder Abweichungen zwischen den einzelnen Beiträgen gefunden: So wird die Azahl der Fischarten einmal mit 21 und ein andermal mit 22 angegeben, die ser Endemiten teils mit 19, teils mit 20. Leider vermißt man präzise Angaben darüber, welche Art noch an einem anderen Fundort vorkommt. Derartige Nebensächlichkeiten stören jedoch den positiven Gesamteindruck kaum. Sicherlich werden viele Interessenten – Studenten und Dozenten, Geologen, Paläontologen und Biologen – gern DM 78,00 (= Can $ 38.00, U.S. $ 50.00) für diese reichhaltige Schriftensammlung ausgeben.
D. H. Storch, Freiburg i.Br.
| Copyright © 2012 Verlag Dr. Friedrich Pfeil |