Besprechung

Mitt. Österr. Geol. Ges.

94(2003), Wien 2003, S. 186

ERNST, H. U. & RUDOLPH, F.: Trilobiten weltweit.

Die Dreilapper und ihr Spiegelbild in der Philatelie. Trilobites worldwide. The World of Trilobites and their Reflection in Philately

(Deutsch und Englisch). 118 S., 171 meist farbige Abb., 2 Taf., München (Verlag Dr. Friedrich Pfeil) 2002. ISBN 3-89937-003-1

Euro 32,–; US-$ 41,70

Die beiden Autoren (Dr. med. H. U. ERNST und Dipl.-Biol. F. RUDOLPH) legen als Briefmarken-samrnler und Hobbypaläontologen bzw. als Wissenschafter ein fast durchwegs mit Farbfotos illustriertes Buch vor, das sich sowohl an Philate-listen als auch an Trilobitensammler und -liebhaber wendet.

Sämtliche bisher bekannten Briefmarken, Stempel und Ganzsachen zum Thema Trilobiten sind ausführlich dargestellt und durch Fotographien von den fossil erhaltenen Trilobiten ergänzt. Es wurden nach Möglichkeit dieselben oder eine nahe Verwandte der gleichen Gattung fotographisch dokumentiert.

Nach einer historischen Einführung, aus der hervorgeht, dass die erste Briefmarke mit einem Trilobiten von der VR China im Jahr 1958 erschienen ist, werden die morphologischen Kennzeichen (samt Terminologie) von (Eu-) Trilobiten ausführlich geschildert und durch Fotos und Skizzen erläutert. Außer dem dreiteiligen Panzer, dem die Dreilapper als Angehörige der Gliederfüßer (Arthropoda) ihren Namen verdanken, wird auch ausführlich auf den Bau der Augen, Sinnesfelder und -haare sowie innere Organe eingegangen. Ontogenese und Häutung sowie Dimorphismus werden ebenso behandelt wie Lebensweise und Ernährung. Auch Lebensspuren, die Trilobiten zugeschrieben werden (z. B. Rusophycus, Cruziana) werden erwähnt.

Trilobiten sind jedem (Hobby-) Paläontologen bekannt und werden als Leitfossilien des Paläozoikums und als Sammelobjekt hoch geschätzt. Unter den letzteren sind es nicht nur die Riesen-Trilobiten aus dem Devon von Marokko, sondern auch die aberranten Formen, wie etwa Ceratarges oder Bodaspis mit ihren oft einmalig gut erhaltenen „Stachelfortsätzen”. Entsprechend ihrem Sammelwert sind Trilobiten auch Objekte von Fossilfälschern nach dem Motto „komplette” Exemplare bringen wesentlich mehr Geld als beschädigte oder fragmentierte.

Die Anordnung der besprochenen Trilobiten erfolgte nach dem klassischen Werk von H. J. HARRINGTON „Treatise on Invertebrate Paleontology” aus dem Jahr 1959, daher sind die Agnostida auch noch als Angehörige der Trilobiten klassifiziert (vgl. dagegen WALOSSEK & MÜLLER 1990). Die Autoren versuchten jede der auf Briefmarken abgebildete Dreilapper-Art zu identifizieren und durch Fotos zu dokumentieren. Eine ausführliche Beschreibung und Angaben über Größe, zeitliches und räumliches Vorkommen ergänzen die philatelistische Seite in ausgezeichneter Form. Die taxonomischen Einheiten von der Gattung bis zur Ordnung werden jeweils aufgezählt. Insgesamt sind bis zur Drucklegung 48 Briefmarken und Blöcke mit Trilobitenmotiven (vom Kambrium bis zum Perm) aus 22 verschiedenen Ländern (von Afar bis Zentralafrika) erschienen. Nahezu die Hälfte betreffen kambrische Formen.

Nicht nur für den Philatelisten und (Hobby-) Paläontologen, sondern auch für den Wissenschaftshistoriker sind etliche interessante Daten in Bild und Text enthalten, wie etwa über Joachim BARRANDE, dem anlässlich des 200. Geburtstages die Barrande-Konferenz im Nationalmuseum in Prag im Rahmen des „VIII. International Symposion On the Ordovician System” abgehalten wurde. J. BARRANDE hat in seinem 22-bändigen Werk über das „Systeme silurien du centre de la Boheme” (1852-1881) zahlreiche Trilobiten aus dem Altpaläozoikum neu beschrieben und stratigraphisch datiert.

Entsprechend dieser wissenschaftlichen Leistung wird die altpaläozoische Schichtenfolge (Kambrium – Devon) der mittelböhmischen (Prager) Mulde zu Ehren J. BARRANDES von den Stratigraphen als Barrandium bezeichnet. Ein eigenes Kapitel ist den stilisierten Trilobiten auf Briefmarken gewidmet, das zugleich interessante Einblicke in die „Ausgabepolitik” einiger Staaten gewährt. Derartige Briefmarken sind als weltweit angewendete Botschaften, als Fenster zur Urzeit bezeichnet worden. Ein Literaturverzeichnis und eine vollständige Auflistung sämtlicher Trilobitenmarken, -stempel und Ganzsachen, geordnet nach den Herkunftsländern ergänzen das ausgezeichnet illustrierte Buch, das jedem Hobby-Sammler nur wärmstens empfohlen werden kann.

In Vorbereitung sind vom Verlag weitere Publikationen über „Fossile Fische weltweit” und „Ammoniten weltweit”.

WALOSSEK, D. & MÜLLER, K. J. (1990): Upper Cambrian stemlineage Crustaceans. – Lethaia 23, 409-429, Oslo.

ERICH THENIUS

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