| Besprechung |
93 (2000), Wien 2000, S. 200-201
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THENIUS, E.: Lebende Fossilien. Oldtimer der Tier- und Pflanzenwelt. Zeugen der Vorzeit. 2. Aufl., 228 S., zahlr. Abb., München (Verlag Dr. Friedrich Pfeil) 2000. ISBN 3-931516-70-9 ÖS 204,–; DM 28,– Vor nunmehr 35 Jahren hat der bekannte Wiener Paläontologe und Paläobiologe, emer. o. Prof. E. THENIUS, bereits einmal ein Buch zum Thema „Lebende Fossilien” veröffentlicht; dieses ist bedauerlicherweise seit langen Jahren vergriffen. Das nunmehr vorliegende Werk ist aber weit mehr als eine entsprechend ergänzte Neuauflage: es vermittelt nicht nur den Eindruck, dass es sich bei den „Lebenden Fossilien” um ein mit beachtlichem Tempo wachsendes Wissensgebiet handelt, sondern präsentiert auch dieses – nur auf den ersten Blick wohlvertraute – Thema in völlig neuem Gewand. Dies betrifft sowohl die fachlichen Aspekte als auch die überaus ansprechende, bildmäßige Ausstattung des Bandes. Vom Inhalt her verdient vor allem die gründliche Erfassung neuester Informationen samt dazugehöriger Literaturangaben besonders hervorgehoben zu werden. Daß daher Funde der jüngsten Zeit, wie z. B. die rezenten Sphinctozoa des Westpazifiks oder die Quastenflosser der Sulawesi-See entsprechende Erwähnung finden, daß andererseits im Zusammenhang mit der Diskussion von Massenaussterben auch neueste Literatur berücksichtigt wird, versteht sich bei einem Buch dieses Niveaus fast von selbst. Beeindruckend umfangreich ist das Spektrum der Organismengruppen, die vom Verfasser auf das etwaige Vorkommen von stammesgeschichtlichen |
Dauertypen („Oldtimern”, wie sie im Untertitel genannt werden) kritisch durchmustert wurden: von Archaebakterien über Brachsenkräuter und Mammutbäume spanntsich der weite Bogen unter Einbeziehung bekannter Beispiele wie „Urmollusk” (Neopilina), Schiitzbandschnecken (Pleurotomarien), Perlboot (Nautilus, Allonautilus), Schwertschwanz (Limulus), australischer Lungenfisch (Neoceratodus), Quastenflosser (Latimeria), bis hin zu Rattenigeln (Echinosorex) und Zwerghirsche (Tragulidae). Diese wenigen Beispiele können nur stichwortartig andeuten, welche Fülle von Einzeldaten hier zusammengetragen wurde. Sorgfältig und kritisch wird von Fall zu Fall diskutiert und genau gewertet, ob es sich überhaupt um ein „Lebendes Fossil” handelt oder nicht; so manches auf den ersten Blick plausibel erscheinende Beispiel hält der genauen Kritik nicht stand und man sieht – fast mit einer gewissen Wehmut – die Zahl der Anwärter für den Rang eines „Zeugen der Vorzeit” oft sehr schnell kleiner und kleiner werden. Alles in allem ein Buch, das nicht nur für jeden an Paläontologie interessierten ein unbedingtes Muss darstellt, sondern wohl auch jedem Biologen nur wärmstens zu empfehlen ist. Durch den klaren und leicht verständlichen Stil des Verfassers wird dieser Band zweifellos auch für so manchen Leser aus einer Nachbardisziplin, für interessierte Laien, für AHS-Professoren, ja selbst für viele Schüler höherer Lehranstalten zu einer bekömmlichen Lesekost. Eine „Übersicht über das System der Organismen”, ein sorgfältig zusammengestelltes Literaturverzeichnis sowie ein Register erhöhen den Wert dieses Buches noch beträchtlich. N. VÁVRA |
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