| Besprechung |

Januar 2001, S. 65
Manche Pflanzen und Tiere scheinen sich regelrecht aus der Naturgeschichte ausgeklinkt zu haben. Während zahllose Arten entstanden und wieder ausstarben, gibt es Organismen, die die Jahrmillionen unverändert überdauerten.
Der Quastenflosser ist so ein Oldtimer. Versteinerungen beweisen, dass er bereits vor über 250 Millionen Jahren in den Seen und Meeren der Perm-Zeit – herumschwamm. Oder die Ginkgo-Bäume: Sie bevölkerten zeitgleich mit den Quastenflossern die Erde. Heute werden die »grünen Dinosaurier« wegen ihrer Widerstandskraft mit Erfolg in Großstädten gepflanzt. Im Smog der Gegenwart ist der Ginkgo ein Baum mit Vergangenheit und Zukunft zugleich.
Erich Thenius, Paläontologe und anerkannter Experte für die Evolution von Tieren und Pflanzen, hat in seinem Buch einen gewaltigen Wissensschatz zusammengetragen. Dass der Text sehr trocken geschrieben ist, muss man allerdings vorher wissen – er passt weniger aufs Nachtkästchen als auf den Schreibtisch. Aber wer präzise Informationen zum Thema sucht und auch Wortungeheuer wie »biseriales Archipterygium« oder »koloniale Sphinctozoen-Form« wegsteckt, wird allemal auf seine Kosten kommen. Geht es doch um eine spannende Geschichte: die verschlungenen Wege des Lebens.
Nils Denekamp
Erich Thenius: Lebende Fossilien. Oldtimer der Tier- und Pflanzenwelt. Verlag Dr Pfeil. 228 Seiten, 28 Mark.
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