| Besprechung |
Teil II, Jahrgang 2003, Heft 3/4, S. 228-229
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342b. Heizmann, E. P. J. & Reiff, W. (2002): Der Steinheimer Meteorkrater. – 160 Seiten, 155 meist farbige Abb.; München (Dr. Friedrich Pfeil), 17 x 24,5 cm, geb., ISBN 3-89937-008-2. € 15.-. Das Steinheimer Becken auf der östlichen Schwäbischen Alb ist unter Geologen und Paläontologen weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Die Seeablagerungen dieses Einschlagkraters lieferten in den vergangenen 200 Jahren ein umfangreiches Zeugnis der einstigen Tier- und Pflanzenwelt. Erst in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass das Steinheimer Becken das Relikt eines Kraters ist, der durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden ist. Der »Steinheimer Schneckenstammbaum«, den FRANZ HILGENDORF 1867 veröffentlichte, war der erste konkrete Beleg für die damals noch umstrittene Evolutionstheorie von CHARLES DARWIN. Zwei intime Kenner der Materie legen nun ein Buch vor, in dem der aktuelle Kenntnisstand der Geologie und Paläontologie des Steinheimer Beckens präsentiert wird. WINFRIED REIFF widmet sich als Geologe seit Jahrzehnten der Erforschung der Geologie des Steinheimer Beckens. ELMAR P. J. HEIZMANN, Säugetierpaläontologe am Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart, begann seine wissenschaftliche Laufbahn mit der Erforschung der Karnivoren des Steinheimer Beckens und leitete seit den Siebziger Jahren mehrere Ausgrabungen und Forschungsprojekte. In der ersten Hälfte des Buches findet man die geologischen Zusammenhänge dargestellt. Für den Laien verständlich wird der geologische Bau Südwestdeutschlands skizziert, die Entstehung von Meteorkratern anschaulich dargestellt. Danach erfolgt ein Vergleich von Einschlagkratern auf Mond und Erde. Der wissenschaftshistorisch Interessierte findet den Weg von der Deutung des Steinheimer Beckens als Erosionskessel durch AMI BOUÉ im Jahr 1824, über Sedimentations- und Lakkolithentheorie bis zur heute gültigen Impakttheorie nachgezeichnet. Der Steinheimer Meteorkrater und seine charakteristischen Ablagerungen werden ausführlich beschrieben, gefolgt von einer Gegenüberstellung von Arizona-Krater, Nördlinger Ries und Steinheimer Becken. Der geologische Teil schließt mit der See-Entwicklung von der Bildung des Kratersees nach dem Einschlag bis zur Ausräumung der Seeablagerungen im Quartär ab. Der paläontologische Teil ist der miozänen Tier- und Pflanzenwelt gewidmet. Einleitend wird der erdgeschichtliche Rahmen, die Tertiärzeit, skizziert. Die Fossilien waren vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis Ende der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts Nebenprodukt des kommerziellen Sandabbaus, und erst danach setzten planmäßige wissenschaftliche Grabungen ein. Die Fülle an geborgenen Organismenresten, von bis 230 Tier und 90 Pflanzenarten, führten zu Steinheims Ruf als weltweit bedeutende Miozänfundstelle. Steinheimer Säugerfossilien fanden schon 1835 in GEORG FRIEDRICH JÄGERS Werk gebührenden Platz und spielen seitdem eine bedeutende Rolle in der Forschung am Stuttgarter Naturkundemuseum. Es werden die verschiedenen Fossilgruppen vorgestellt: Pflanzen als Klimaanzeiger, Schnecken als Zeugen der Evolution, ebenso die Muschelkrebse und natürlich die Wirbeltiere. Die Erhaltung ganzer Skelette gibt Aufschluss über das Schicksal der Tiere nach dem Tod; Gebissreste verraten, wovon sich die Tiere ernährten. Beim Lesen des Buches entsteht ein Bild von der reichen Tierwelt des Steinheimer Beckens. Lebensnahe Rekonstruktionen geben eine Vorstellung vom Aussehen solch bizarrer Formen wie der Krallentiere, von Giraffenverwandten, Zwerghirschen und Mastodonten. Der arbeitsreiche Weg eines Fossils von der Sandgrube über die Präparationswerkstatt zum fertigen Schaustück im Museum wird ebenso geschildert wie die Veränderungen und Prozesse vom Tod eines Tieres bis zur Ausgrabung. Die im Laufe der Jahrzehnte gewachsene Kenntnis kommt bildhaft zum Ausdruck in der Gegenüberstellung von vier Lebensbildern des Steinheimer Sees, die in den Jahren 1903, 1926,1978 und zuletzt 1994 entstanden sind. Das Buch ist flüssig geschrieben und mit 155 überwiegend farbigen Abbildungen reich und hervorragend illustriert. Es wird im Klappentext als Führer für das Steinheimer Meteorkratermuseum ausgewiesen. Es ist aber weit mehr als dies, für jeden naturkundlich Interessierten mit Gewinn zu lesen und die vom Fachmann seit langem erwartete Synopsis des gegenwärtigen Kenntnisstandes. Auch der Besuch des Museums und der geologischen Wanderwege ist durchaus eine Reise wert, zumal das Steinheimer Becken in einer landschaftlich reizvollen Gegend liegt. Die Lektüre des Buches ist auf jeden Fall eine gute Vorbereitung dafür. R. ZIEGLER |
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