Besprechung

Mitt. Österr. Geol. Ges.

94 (2001), Wien 2003, S. 186-187

HEIZMANN, E. P. J. & REIFF, W.: Der Steinheimer Meteoritenkrater.

160 S., 155 meist farbige Abb., München (Verlag Dr. Friedrich Pfeil) 2002.

ISBN 3-89937-008-2

Euro 15,–

Das ursprünglich nur als „Museumsführer” für das Meteorkratermuseum in Sontheim (Gemeinde Steinheim am Albuch) konzipierte Werk ist ein stattliches, außerordentlich reich illustriertes Buch geworden, das erstmalig zusammenfassend die Forschungs-, Erd-, und Lebensgeschichte des Meteorkraters „Steinheimer Becken” schildert: Das Meteorkratermuseum wurde 1978 eingerichtet und 1994 wesentlich erweitert.

Die beiden Autoren, Prof. Dr. Winfried REIFF als Geologe und Dr. Elmar P. J. HEIZMANN als Paläontologe sind mit Steinheim am Albuch seit Jahrzehnten als Wissenschafter bzw. Ausgräber verbunden.

Steinheim a. A. ist seit langer Zeit als klassisches Fundgebiet von Wirbeltieren in Paläontologenkreisen bekannt. Es ist der „locus typicus”, das heißt die Referenzstelle für die „Zone” MN7 der Kleinsäugerstratigraphie Europas. Das Alter der Entstehung des Kraters ist mit 14 Millionen Jahren anzugeben und entspricht dem mittleren Miozän. Die erste wissenschaftliche Beschreibung von Wirbeltieren erfolgte bereits 1835 durch Georg Friedrich JÄGER vom königlichen Naturalienkabinett in Stuttgart.1870 erschien eine Monographie der Steinheimer Wirbeltierfauna durch seinen Nachfolger am Naturalienkabinett Oskar FRAAS, dem bedeutendsten Paläontologen Württembergs (ein Nachtrag erschien 1885). Bereits damals umfasste allein die Säugetierfauna 27 Arten, die durch Funde ganzer Skelette entscheidend zum Ruhm Steinheims als Fundstelle fossiler Wirbeltiere beitrug. Entsprechend der Bedeutung wurden systematische Grabungen von 1969 bis 1986 unter der Leitung vom Elmar P. J. HEIZMANN vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart durchgeführt. Sie erbrachten nicht nur zahlreiche, bisher aus Steinheim nicht bekannte Arten, sondern durch den flächenhaften Abbau auch neue Erkenntnisse über die Ablagerungsbedingungen. Die miozänen Ablagerungen im Steinheimer Krater sind jedoch nicht nur durch die zahlreichen Wirbeltierreste, sondern auch durch die Steinheimer Schnecken (Gastropoden) ins Rampenlicht wissenschaftlicher Diskussionen gelangt.

Zunächst war es Franz HILGENDORF, Kustos am Zoologischen Museum Berlin, dem anläßlich einer, gemeinsam mit dem berühmten Tübinger Paläontologen Friedrich August QUENSTEDT im Jahr 1862 durchgeführten Exkursion, die unterschiedlichen Schneckengehäuse in den verschiedenen Lagen des Sandes aufgefallen war. Seine Untersuchungen erbrachten, dass sich die Schneckengehäuse von Lage zu Lage mehr oder weniger kontinuierlich veränderten. In Hinblick auf die kurz zuvor, 1859, von Charles DARWIN in dem Werk „On the origin of species” entwickelte Evolutionstheorie, war HILGENDORF der Überzeugung, dass der sogenannte „Steinheimer Schneckenstammbaum” ein konkreter Nachweis für die Richtigkeit dieser Theorie wäre. Neuere Untersuchungen bestätigten im Grundsätzlichen die Beobachtungen HILGENDORFS, doch waren die Auslöser dieser Entwicklung der Tellerschnecken (Gattung Gyraulus) Schwankungen des Seespiegels und die dadurch bedingten Wechsel der Lebensbedingungen.

Die Liste der Steinheimer Wirbeltiere umfasst Fische (3 Arten), Amphibien (2), Kriechtiere (9), Vögel (43), darunter Flamingos und Bartvögel und Säugetiere (59 Arten; Brachypotherium brachypus fehlt in der Liste), die durch zahlreiche Pflanzen ergänzt wird. Dadurch war auch eine realistische Rekonstruktion des einstigen Lebensraumes und damit die eines Lebensbildes möglich, wie es in einem anlässlich der Museumserweiterung im Jahr 1994 erstellten Diorama zum Ausdruck kommt.

Die Entstehung des Steinheimer Beckens war seit der ersten schriftlich dokumentierten geologischen Betrachtung durch Ami Boué 1824 Gegenstand lebhafter Diskussionen, die chronologisch ausführlich behandelt werden (Explosionstheorie, Impakttheorie). Heute gilt die Impakttheorie – ebenso wie für das Nördlinger Ries – für die Entstehung gesichert. Sie wird durch zahlreiche Belege (z. B. Strahlenkalke = „shatter cones”, Brekzien, „geschockte Quarzkörner”) dokumentiert. Steinheimer Becken und Nördlinger Ries sind Relikte von Meteorkratern. Die Entstehung des Steinheimer Beckens ist im Buch durch zahlreiche graphische Darstellungen erläutert.

Angaben über weiterführende Literatur ergänzen den Text. Alles in allem ein ausgezeichnet illustriertes Buch, das nicht nur für den Museumsbesucher eine wertvolle Stütze darstellt, sondern auch jedem Interessenten und damit einem breiten Leserkreis nur bestens empfohlen werden kann.

ERICH THENIUS

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