| Besprechung |

2003/1, Januar-März, S. 119-120
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Elmar P. J. Heizmann und Winfried Reiff Der Steinheimer Meteorkrater. Herausgegeben von der Gemeinde Steinheim am Albuch. Verlag Pfeil München 2002. 160 Seiten mit 155 größtenteils farbigen Abbildungen. Pappband. Euro 15,. ISBN 3-89937-008-2. Das Steinheimer Becken ist bei Touristen und Wanderern weniger bekannt als dessen «große Schwester», das Ries, dabei kann man auch hier herrliche Ausflüge und schöne Wanderungen unternehmen. An dem «nur» etwa vier Kilometer im Durchmesser messenden Steinheimer Krater lässt sich zudem Geologie und Landschaftsgeschichte viel eindrucksvoller veranschaulichen: Vom Steinhirt, dem zentralen Hügel am Südrand der Gemeinde Steinheim, ist das Becken in einem Rundblick zu erfassen, während das von bewaldeten Kuppen kreisförmig umgebene Ries mit 24 Kilometern Durchmesser als eine weite Ebene erscheint, deren Ränder man von keinem Punkt aus in der Gesamtheit überblicken kann. In Fachkreisen der Geologen wird das Steinheimer Becken dem Ries schon lange als durchaus ebenbürtig angesehen. Wie beim Ries war auch beim Steinheimer Becken die Entstehung lange Zeit umstritten. Die Theorie der vulkanischen Aussprengung bei beiden Kratern wurde erst 1970 endgültig verworfen, als neue Befunde die Entstehung durch Meteoriteneinschläge bewiesen. Auch in Zukunft dürfte noch mit mancher Überraschung im Detail zu rechnen sein. Bis heute ist beispielsweise nicht bekannt, ob beide Krater gleichzeitig oder aber durch voneinander unabhängige Ereignisse entstanden sind. Bei einem Blick auf die Landkarte drängt sich geradezu auf, dass das Steinheimer Becken von einem abgesprengten Teil des großen Ries-Meteoriten geschaffen wurde, dennoch zweifeln Wissenschaftler an dieser Theorie, weil sich rein theoretisch in den wenigen Sekunden, die der etwa 1000 Meter große Gesteinsmeteorit vom Eintritt in die Atmosphäre bis zum Aufschlag bei Nördlingen brauchte, kein 80 Meter großes Teil lösen und 40 Kilometer vom Haupteinschlag entfernt auftreffen kann. So gibt es also auch in den nächsten Jahren bzw. Jahrzehnten noch manches Rätsel zu lösen. Das neue Buch ist eigentlich überfällig, gab es doch bislang Informationen nur aus Broschüren und als Beiträge in wissenschaftlichen Zeitschriften. Den besten Überblick bot seither das 1978 eröffnete und 1994 erweiterte Meteorkratermuseum im Steinheimer Ortsteil Sontheim. |
Ein Führer für das Museum sollte es eigentlich werden, doch dann ist ein ganzes Buch daraus geworden, und dazu kann man der Gemeinde als der Betreiberin des Museums und den Autoren nur gratulieren. Die zwei Fachleute, die jahrelang im Steinheimer Becken geforscht haben, der Geologe Professor Dr. Winfried Reiff und der sich der versteinerten Tier- und Pflanzenwelt des Kratersees widmende Paläontologe Dr. Elmar P. J. Heizmann, haben in bester Zusammenarbeit ein Buch gemacht, das man ohne weiteres als das Standardwerk für das Steinheimer Becken bezeichnen darf. Sehr anschaulich, mit leicht lesbaren Texten und zahlreichen aussagekräftigen Bildern, Karten und Grafiken wird die Entstehung des Steinheimer Beckens beschrieben. Dabei wird immer wieder auf andere Krater verwiesen, nicht nur auf das Ries, sondern auch auf den Barringerkrater in Arizona und andere. Nur im Vergleich lassen sich manche Erscheinungen deuten. Der Forschungsgeschichte ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Dieser Rückblick ist wichtig, kann man doch den früheren Forschungen, Gedankengängen, Beweisen und Gegenbeweisen bestens entnehmen, wie sich das heutige Wissen entwickelt hat. Der zweite Teil des Buches behandelt die Geschichte des Kraters seit der Katastrophe. Seit langem sind die Fundstellen des «Schneckensandes» in Steinheim bekannt; der Besucher kann die winzigen Schneckengehäuse heute am Rand des Wanderweges am Steinhirt aufsammeln. Ausführlich werden die Stammbäume der Schnecken beschrieben, ebenso was weniger bekannt ist die Lebenswelt der Fische, Lurche, Vögel, Kleinsäuger und anderer Tiergruppen. Die reichhaltigen Fundstellen werden zwar heute nicht mehr abgebaut und geben deshalb nichts mehr frei, aber jahrzehntelanges Sammeln und gezielte Forschungsgrabungen haben reiche Erkenntnisse erbracht, die sehr anschaulich und gut verständlich beschrieben werden. Das Buch ist für Laien und wissenschaftlich interessierte Naturkundler gleichermaßen von Interesse. Gefallen dem einen die schöne Aufmachung und die guten, aussagekräftigen Bilder, so findet der andere die derzeit neuesten Erkenntnisse zu Geologie und Paläontologie bestens aufgearbeitet. Wer also vorhat, das Steinheimer Becken zu besuchen, dem ist neben einer Wanderung, zum Beispiel auf dem geologischen Lehrpfad, und dem Besuch des sehenswerten Museums das neue hervorragende Buch unbedingt zu empfehlen. Reinhard Wolf |
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