Besprechung

Geowissenschaftliche Mitteilungen

Nr. 10 · Dez. 2002, S. 107-108

Der Steinheimer Meteorkrater

Heizmann, E. P. J. & Reiff, W. (2002): Der Steinheimer Meteorkrater. 160 S., 155 Abb.; München (Pfeil). Preis· 15 Euro, ISBN 3-89937-008-2

Gerne erinnere ich mich noch an eine Fußwanderung nach Steinheim am Albuch im Alter von etwa 7 Jahren, die durch einen kleinen Presseartikel über das ungeheuerliche Geschehen, das sich dort vor etwa 15 Millionen Jahren abgespielt haben soll, angeregt wurde. Innerhalb von Sekunden wurde dort der Gang der Erdgeschichte katastrophal unterbrochen, indem ein Meteor einen fast 3,5 km breiten Krater in die Sedimentgesteine der heutigen Schwäbischen Alb schlug. Anschließend erwies sich der darin entstandene Kratersee geradezu als eine Wiege der Evolution und eine Schatzkammer der Paläontologie. Das durch jahrzehntelange Forschungen im Steinheimer Becken zu intimsten Kennern der dortigen geologischen Phänomene und der miozänzeitlichen Lebewelt gewordene Autoren-Duo W. Reiff und E. P. J. Heizmann legt nun einen "Museumsführer" für das Meteorkartermuseum in Sontheim bei Steinheim/Albuch vor. Tatsächlich ist es aber weit mehr als "nur" ein Museumsführer geworden, vielmehr liegt damit jetzt die lange vermisste ausführliche Darstellung dieser großartigen Lokalität vor, die den interessierten Laien und den Fachmann/die Fachfrau gleichermaßen fesselt. W. Reiff widmet sich dabei den Phänomenen und Strukturen, welche die Kraterstruktur als kosmischen Impakt charakterisieren, E. Heizmann den Fossilien aus dem Kratersee. Im geologischen Abschnitt wird auch auf andere Meteorkrater, wie den Barringer-Krater in Arizona und das benachbarte Nördlinger Ries näher eingegangen. Für Noch-nicht-Eingeweihte sind eine kurzgefasste Darstellung der Erd- und Landschaftsgeschichte und eine Erläuterung kosmischer Ereignisse im Zusammenhang mit Meteoriten vorangestellt.

Außerordentlich spannend ist die Historie der unterschiedlichen Deutungen zur Entstehung des Steinheimer Beckens, an deren letztendlich zweifelsfreier Klärung als Impakt der Autor maßgeblich selbst beteiligt war.

Nach dem Impakt bildete sich ein Kratersee, in dem die Evolution gewissermaßen in der Retorte ablief. Weltberühmt ist der Schneckenstammbaum Hilgendorfs, mit dem Darwins Evolutionstheorie schon früh untermauert werden konnte. Waren paläontologische Ergebnisse danach nur ein Nebenprodukt damaligen Sandabbaus, wurde von E. Heizmann gezielt wissenschaftlich gegraben. Eine Fülle dabei gefundener Wirbeltierreste machen Steinheim zu einer Referenzlokalität für einen bestimmten Zeitabschnitt des Mittel-Miozäns. Bemerkenswert ist auch die überaus reiche Vogelfauna. Pflanzenfunde erlauben eine Rekonstruktion der Vegetation im See und um den See herum. Die früher kaum beachteten Mikrofossilien, besonders die Ostrakoden, lieferten gerade in jüngster Zeit wichtige paläoökologische Daten und lassen teilweise ebenso wie die Gyraulus-Schnecken eine Evolution erkennen. Die beispielhaft vorgestellten, oft zusammen mit einer Rekonstruktion oder einem Lebensbild illustrierten Fossilien werden in ihrer jeweiligen Bedeutung für Klimarekonstruktion, Nahrungsketten, überregionale Bezüge etc. erklärt, so dass sich alles nach und nach zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Aber noch längst sind nicht alle Fragen beantwortet. Eine davon, zu denen von beiden Autoren Stellung genommen wird, ist der mögliche, ja eigentlich höchstwahrscheinliche Zusammenhang mit dem nur etwa 30 km entfernten Rieskrater.

Zweifellos werden die Leser mit diesem gelungenen Buch das Bewusstsein für die Erdgeschichte und das Steinheimer Becken als einem der herausragenden Geotope in Deutschland tief verinnerlichen. Die hervorragende Ausstattung und Druckqualität mit größtenteils farbigen Abbildungen lassen den Preis mehr als angemessen erscheinen.

Günter Schweigert, Stuttgart

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