| Besprechung |

Zeitschrift für die Freunde der Mineralogie und Geologie
Jahrgang 54 · Juli/August 2003, S. 233-234
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R. K. F. MEYER & H. SCHMIDT-KAHLER: Wanderungen in die Erdgeschichte (Bd. 8), Auf den Spuren der Eiszeit südlich von München – östlicher Teil, 144 Seiten. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München. ISBN 3-931516-09-1. Preis: 20,45 Euro. Das im Jahr 2002 in zweiter Auflage erschienene, 2-bändige Werk zur Erdgeschichte Münchens und der Landschaft zwischen München und den Bayrischen Kalkalpen wurde mit viel Enthusiasmus von zwei intimen Kennern der Materie verfasst. Didaktisch vorbildlich ist die Gegenüberstellung der fossilien Landschaftsformen mit modernen Beispielen aus Glazialgebieten (Island), immer begleitet von erklärenden Zeichnungen. Damit wird die Entstehung der Landschaft zwischen Alpenrand und Donau plastisch vor Augen geführt. Die Isar, der 'Lebenslauf Münchens', wird gebührend bis ins Detail gewürdigt, auch die Hanggleitungen am Isarhochufer bei Grünwald finden Berücksichtigung. Isarkiesel werden in gut gelungenen Farbfotos, Anschliffen und Dünnschliffen vorgestellt und ihre glaziale und fluviatile Transportgeschichte enträtselt. |
Das Spektrum reicht von Kristallingeröllen aus dem Ötztal (der Granatamphibolith ist allerdings eher ein Eklogit), bis zum „Enzenauer Marmor”, einen Nummolithensandstein aus dem Eozän (Baustein des Wittelsbacher Brunnens in München). So eröffnet sich die Möglichkeit, einen Gesteinsbestimmungskurs für Laien auf den Schotterflächen der Isar durchzuführen. Die Stadt München und ihre Einbindung in die Eiszeitgeschichte erhält breiten Raum. Der Verlauf der Stadtbäche und die Lage der Brunnen wird mit der Stadtgeschichte verknüpft und mit zahlreichen historischen Darstellungen untermauert. Die Bände enthalten auch reichlich Angaben zur Vegetations- und Besiedlungsgeschichte, wie Farbzeichnungen aus der Welt des Mammuts oder von Pflanzenvergesellschaftungen auf Kiesböden. Diese interdisziplinär-querschnittsorientierte Herangehensweise macht das Werk gerade für Laien interessant. Selbst Kunstliebhaber kommen nicht zu kurz. Zahlreiche Aquarelle und Landschaftsszenen von Münter bis Herm bereichern die geologisch-botanischen Erläuterungen. Die insgesamt 11 Exkursionsrouten spannen einen weiten Bogen vom Isartal über Starnberger See und Osterseen, Ammersee bis in den Ammergau. Südlich enden sie in den Bayr. Kalkalpen bei Lenggries und im Werdenfelser Land an der Zugspitze; auch der Eibseebergsturz von 3.700 Jahren findet Erwähnung. Optimal sind die Routen für Radfahrer geeignet, lassen sich aber auch in Abschnitten zu Fuß erwandern. Jeweils sehr sorgfältig ausgewählte geologische Kartenausschnitte und geologische Profile werden durch genetische Blockbilder ergänzt, so dringen in einem dramatischen 3D-Bild der Loisach- und Isargletscher ins gefaltete Molasse-Vorland heraus. Verschiedene Halteständen beim Rückzug der Gletscher im Pfaffenwinkel und Werdenfelser Land werden sehr ausführlich und routenbezogen dargestellt. Selbst Querverbindungen zu Brauchtum und Freitzeitkultur (Floßfahrt) von typisch oberbayrischer Prägung fehlen nicht. Der Münchner Lebensart kommt sehr entgegen, dass die meisten Routen an berühmten Biergärten enden. Das rundum gelungene Werk strotzt vor üppiger Bebilderung. Die lokale Ausrichtung macht es vor allem für Münchner interessant, die mit Fahrrad oder S-Bahn stadtnahe Erholung suchen und nebenbei spielerisch der Geologie, Botanik und Landschaftsgeschichte fröhnen möchten. Die Bände machen viel Spaß und stellen eine anschauliche Stütze auch für Lehrer dar, die Wandertage oder Projekttage gestalten wollen und so Geographie- und Biologieunterricht mit geowissenschaftlichen Komponenten anreichern können. Bleibt den Lesern zu wünschen, dass sie genug Freizeit für die zahlreichen Wanderungen finden werden. H. HEINISCH |
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