Review

Verh. Zool.-Botan. Ges. in Österreich

139: 150-151, Wien 2002

GRÜTER Werner, 2001: Leben im Meer. Wie es ist, wie es wurde, wie es werden kann. Zauber der Vielfalt und ihre Zusammenhänge. 288 S., 222 Farb- und 1 SW-Abb., geb. Euro 38, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München. ISBN 3-931516-95-4

Der Verfasser nennt sein Buch eine "Liebeserklärung an das Leben", das in lebendiger und verständlicher Weise den Leser in einen Lebensraum einführt, den er als Schwimmtaucher und Fotograf seit Jahren Weltweit kennt. Allein die zahlreichen durchwegs selbst angefertigten Farbfotos machen das ausgezeichnet ausgestattete Buch zu einer Augenweide. Werner GRÜTER begnügt sich jedoch in seinem Buch, das in 13 thematisch und auch einzeln lesbare Kapiteln gegliedert ist, nicht mit einer reinen Beschreibung der Formenfülle marinen Lebens, sondern versteht es an Hand konkreter Beispiele das vielseitige "Spiel" der Evolution aufzuzeigen und damit jeweils zu einem Ausflug in die Stammesgeschichte zu machen. Selbst komplexe Zusammenhänge werden anschaulich und mit viel didaktischem Geschick und gründlicher Sachkenntnis dargelegt, wobei nicht nur auf ihre vermutliche Entstehung im Lauf der Erdgeschichte, sondern auch auf mögliche Entwicklungen in der Zukunft hingewiesen wird. Aber selbst wissenschaftlich noch ungeklärte Fragen Werden behandelt. So werden Beobachtungen des Lebens im Meer zum Ausflug in die Stammesgeschichte der Organismen und damit letztlich auch des Menschen.

Der weitgehende Verzicht auf wissenschaftliche Fachterminologie spricht zweifellos einen breiten Leserkreis an und dürfte viele Naturfreunde, Hobbytaucher und Schüler für die Meeresbiologie gewinnen helfen. Dem Lehrer liefert es interessantes Unterrichtsund Anschauungsmaterial. Selbst für den forschenden Meeresbiologen dürften einzelne Kapitel gewinnbringend sein.

Die Themen reichen von den vielfältigen Formen der Fortpflanzung (einschließlich der sozial induzierten Geschlechtsumkehr bei Fischen) und den notwendigen, oft zu Konvergenzerscheinungen führenden Anpassungen in morphologisch-anatomischer sowie physiologischer Hinsicht wie etwa den Linsenaugen bei Kopffüßern und Wirbeltieren, bis zu den verschiedenen Arten von Wechselbeziehungen (und ihrer mutmaßlichen Entstehung) unter den Organismen und zu ihrer Umwelt.

Entsprechend der Vielfalt der behandelten Themen wird der Fachmann an manchen Angaben (z. B. Wale von Landraubtieren abstammend, älteste fossile Einzeller etwa auf S. 86 3,1 Milliarden Jahre alt, statt richtig 3,8 Milliarden Jahre auf S. 145) und an einzelnen Formulierungen, wie etwa Korallen-Polypen als Urahnen aller höheren Tiere, Seescheiden als Vorfahren der Wirbeltiere, Latimeria chalumnae als jüngerer Bruder des Ahnherren aller Tiere an Land oder nach dem Gehirn stehen uns Delphine näher als alle Menschenaffen, etwas auszusetzen haben.

Grundsätzlich sind die einzelnen Kästen über die "Stellung im System der Tiere" zu begrüßen, doch sollten sie in einer Neuauflage konsequent durchgeführt und ev. als Anhang gebracht werden um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. Ähnliches gilt für die wissenschaftlichen Namen und ihre konsequente Anwendung. Ein ausführliches Register erhöht den Wert des Buches, einzelne im Text erwähnte Literaturhinweise sollten auch zitiert sein. Insgesamt jedoch ein Buch, das weiten Leserkreisen nur bestens empfohlen werden kann.

Erich THENIUS, Wien

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