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361. Grüter, W. (2001): Leben im Meer. Wie es ist, wie es wurde, wie es werden kann. Zauber der Vielfalt und ihrer Zusammenhänge. 285 S., 333 Farbabb.; München (Dr. F. Pfeil), ISBN 3-931516-95-4, Euro 38, Das Leben auf der Erde entwickelte sich im Meer vor mehr als 3,8 Milliarden Jahren. Die heutige Vielfalt mariner Lebewesen ist enorm. Verf. hat als engagierter Taucher drei Jahrzehnte lang unter Wasser photographiert. Eine kleine Auswahl seiner Aufnahmen legt er hier zur Unterstützung seines Textes vor, der viel interessanter und umfassender ist, als man hinter dem Titel vermuten konnte. Die Untertitel geben da schon eher Anhaltspunkte oder Hinweise. Es handelt sich um ein sehr lesbares Buch der Meeresbiologie, in dem nicht nur der gegenwärtige Zustand beschrieben, sondern zugleich die Evolution des Lebens im Meer dargestellt wird. Nach einem Geleitwort von IRENÄUS EIBL-EIBESFELDT, dem Vorwort und einem Prolog des Verfassers gibt es in diesem Buch 13 Kapitel mit insgesamt 73 Abschnitten. Den Abschluß bilden ein Epilog Das Meer und die Zukunft , ein Personen- und Sachverzeichnis sowie der Photonachweis, aus dem hervorgeht, daß nur 30 Photos nicht vom Verf. selbst stammen [Erwähnt sei hier, daß im Impressum A. RÖDGER für vier Abschnitte als Mitverfasser genannt wird.]. Um die Vielfalt des Inhalts korrekt darzustellen, seien hier die Kapitelüberschriften wiedergegeben: 1 Vom Diktat des Wassers. Das Element zwingt zur Anpassung; 2 Von der Sinneswahrnehmung zur Sinngebung. Licht Farben Sehen im Meer; 3 Zwischen Gruseln und Bewunderung. Verrufene Räuber in groß und klein; 4 Von immerzu währender Teilung des Unsterblichen zur Erfindung von Lust und Tod. Formen der Fortpflanzung; 5 Ein 600 Millionen Jahre altes Unternehmen. Mammutbauten und ihre winzigen Schöpfer; 6 Paradies mit straffer Hausordnung. Von der bunten Fischgemeinschaft am Riff; 7 Frühe Höchstleistungen der Evolution. Oldtimer als Dauerbrenner; 8 Erstaunliche Leistungen und bemerkenswerte Wechselbeziehungen. Absonderliches aus ökologischen Nischen; 9 Systematik am Beispiel der Stachelhäuter. Ein Tierstamm stellt sich vor; 10 Der Auslesedruck treibt Blüten. Aus den Versuchslabors der Evolution; 11 Kaum zu glauben, aber wahr. Von den Weichtieren und ihren Zaubereien; 12 Den Regionalgesetzen der Hochsee unterworfen. Heimatlose Wanderer, und 13 Nur mit Wasser geht es nicht. Pendler zwischen Meer und Land. Wer diese Kapitelüberschriften aufmerksam liest, dem wird bereits klar, daß der Verfasser einen sehr amüsanten Schreibstil pflegt. Damit führt er den Leser zum Verständnis der teils doch recht komplizierten wissenschaftlichen Sachverhalte. Sowohl die Vielfalt der Farben, der Formen und des Verhaltens von marinen Tieren als auch deren Verflechtung in ökologischen Systemen und im Ablauf der Evolution werden dargestellt. Obwohl er ausschließlich marine Lebewesen vorstellt, gelingt es dem Verfasser, eine Gesamtschau des Lebens auf unserer Erde von den Anfängen bis heute zu entwerfen und ebenso Visionen der ferneren Zukunft darzustellen, die wir leider nicht mehr erleben werden. Dabei kommt auch deutlich unsere Verantwortung für diese Zukunft zum Ausdruck, ist doch die Menschheit seit Jahrzehnten auf einem durchaus fehlgesteuerten Weg der Zerstörung ihrer natürlichen Umwelt. Die einzelnen Kapitel sind so abgefaßt, daß sie selbständig und in einer frei wählbaren Reihenfolge gelesen werden können. Dennoch sind sie natürlich "als Bindeglieder eines großen Bogens konzipiert"; die gewählten Beispiele dienen als "Teile zum Verständnis" für "das im Grunde untrennbare Ganze des Belebten". Behandelt werden z.B. diverse Fische, Korallen, Schwämme, Borstenwürmer, Quallen, Seefedern, Nautilus, Seescheiden, Krebse, Federsterne, Seegurken, Seesterne, Seeigel, Muscheln, Schnecken, Tintenschnecken, Haie, Schildkröten und Delphine. Die Vielfalt des Inhalts wird sicher das Interesse eines breiten Leserkreises finden, weil der Verfasser es geschafft hat, eine große Informationsfülle gut lesbar in den einzelnen Kapiteln zu verarbeiten. Mancher Leser wird allerdings Hinweise auf weiterführende Literatur vermissen. Durch das Begreifen von wesentlichen Grundzügen der Natur und das Erahnen des Wertes der ineinandergreifenden Teile sollen die Leser Naturfreunde, neu zu gewinnende Naturfreunde und nicht nur diese dazu geführt werden, "die naive Verantwortungslosigkeit gegenüber der Natur" aufzugeben. Die sehr guten Photos sind durchweg eine Augenweide. Sie sind nicht nur zur Illustration des Textes gedacht, sondern vermitteln "auch ein wenig von der ästhetischen Schönheit" der marinen Lebewesen. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, vielleicht noch, daß das Buch erfreulicherweise in der alten Rechtschreibung gedruckt wurde. D. H. STORCH |
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