Besprechung

Zentralblatt für Geologie und Paläontologie

2004: 543-545

600. Beug, H.-J. (2004): Leitfaden der Pollenbestimmung für Mitteleuropa und angrenzende Gebiete. – 542 S., 29 Abb., 13 Tab., 120 Taf.; München (Dr. Friedrich Pfeil), 16,5 x 24 cm, geb., ISBN 3-89937-043-0, EURO 90,–.

"Heureka" darf man ausrufen, es ist vollbracht. Im Jahre 1961 erschien im Verlag G. Fischer die erste Lieferung des Leitfadens der Pollenbestimmung. Aus den verschiedensten Gründen kam der Verf. nicht zur Fortsetzung und zum Abschluß des Werks, wie im Vorwort angegeben. Jetzt liegt endlich eine umfassende Übersicht über die Pollenkörner der mitteleuropäischen Flora vor, die als Meilenstein weitgehende Beachtung verdient.

Das vorliegende Buch enthält insgesamt 36 Abschnitte. Es beginnt mit dem Vorwort des Verf. und der Einleitung (19 Seiten). In letzterer gibt es allgemeine Hinweise für die Benutzer und Informationen zur Göttinger Pollen-Referenzsammlung, zur Herstellung von Pollenpräparaten, zu mikroskopischen Untersuchungen und zur Mikrophotographie, zur Terminologie (mit Erklärungen und Abkürzungen) [Diesen Abschnitt hätte man auch als Glossar bezeichnen können, er ist fast sieben Seiten lang.], zur Nomenklatur sowie Listen der einbezogenen Pflanzensippen aus Südeuropa (inkl. Kleinasien und Nordafrika) insgesamt 82 Gattungen aus 53 Familien – und besonderer Sippen mitteleuropäischer Pliozänfloren – 50 Gattungen aus 24 Familien sowie ferner die Bestimmungsschlüssel für die Skulpturtypen und die Pollenklassen. Die Abschnitte 3-33 sind den Pollenklassen gewidmet: Polyadeae, Tetradeae, Dyadeae, Vesiculatae, Inaperturatae inkl. Polyplicatae, Monoporatae, Monocolpatae, Syncolpatae, Dicolpatae, Dicolporatae, Tricolpatae, Tricolporatae und Tricolporoidatae [für diese drei Klassen insgesamt 11 Abschnitte, gegliedert nach verschiedenen Skulpturtypen], Stephanocolpatae, Stephanocolporatae, Pericolpatae, Pericolporatae, Heterocolpatae, Fenestratae, Diporatae, Triporatae, Stephanoporatae und Periporatae. Den Abschluß des Buches bilden Listen der zitierten Literatur (nicht ganz vollständig, z. B. fehlt von FAEGRI der deutschsprachige "Bestimungsschlüssel für die nordwesteuropäische Pollenflora" (G. Fischer Jena 1993!) sowie ausgewählte Literatur zu den Pflanzenfamilien und ein Register der Taxa (14 S., zweispaltig), das hinsichtlich der Taxa und der Seitenzahlen hätte noch umfangreicher ausfallen können.

Lobend erwähnt sei zunächst das sehr ausführliche Inhaltsverzeichnis. So kann sich der Nutzer sofort informieren, von welchen Gruppen er Beschreibungen von Pollenkörnern in dem Buch findet. Gattungen und Arten sind es aber tatsächlich viel mehr.

Durch dieses Inhaltsverzeichnis eignet sich das Buch hervorragend als Nachschlagewerk; der Hauptzweck ist natürlich die Nutzung als Bestimmungsbuch. Dazu dienen die ausführlichen Bestimmungsschlüssel, die überwiegend bis zur Gattung führen, teils bis zur Art oder Familie, oft auch nur bis zu einem Typ (Gattungs- oder Art-Typ).

Diese Taxa sind fast alle im Inhaltsverzeichnis und im Register genannt. Zu jeder Gruppe gibt es eine Beschreibung der Pollenkörner und Meßwerte derselben (u. a. größte und kleinste Länge, Mittelwert, Pollenformindex, Dicke der Exine, Colpus-Index). Wenn die Pollenkörner nicht bis zur Art bestimmbar sind, gibt es oft sehr umfangreiche Aufstellungen der zugehörigen Gattungen und Arten, die leider häufig im Register fehlen. Zu den meisten Gruppen sind oftmals viele Abbildungen vorhanden. Warum es zu manchen Gruppen trotz der Angabe von Meßwerten zu Pollenkörnern keine Abbildung gibt, erläutert der Verf. nicht.

Bei den Photos handelt es sich durchweg um lichtmikroskopische Aufnahmen, bisweilen unter Verwendung des Phasenkontrasts. Im Regelfall wurde die Vergrößerung x 1.000 benutzt, was zu einer guten Vergleichbar- und Handhabbarkeit führt.

Rasterelektronenmiskroskopische Aufnahmen ließ man weg, weil sie für den vorgesehenen Nutzungszweck – Bestimmungshilfe bei der Pollenanalyse – unnötig erschienen.

Die vorstehende Inhaltsangabe dürfte jedem verständlich machen, daß der Druck dieses Buches mit den vielen Zahlen sehr schwierig war und daher viele Fehlermöglichkeiten bot. Dem begegnete der Verf. dadurch, daß zumindest drei Personen Korrektur lasen. Trotzdem gibt es z. B. falsch oder abweichend geschriebene Fachausdrücke, Autorennamen sowie Art- und Gattungsnamen. So erscheint die Art Elymus arenariu auch als Lymus und Leymus. Manche Fehler scheinen erst in letzter Minute entstanden zu sein; vermutlich arbeitete man bis zum letzten Augenblick an dem Buch. Man sieht das an den teilweise abweichenden Art- und Gattungsnamen im Text und bei den Tafeln. Die Querverweise im Abschnitt Terminologie laufen bisweilen ins Leere, weil die angegebenen Stichworte fehlen. Die Artenlisten ergänzte man anscheinend nachträglich. So geriet die alphabetische Reihenfolge manchmal durcheinander. Oft fehlen in den Listen auch abgebildete Arten. All das kann in einer sicher zu erwartenden zweiten Auflage leicht ausgemerzt werden.

Der Verf. richtet sich nach der Nomenklatur von FAEGRI & IVERSEN, nicht nach der von ERDTMAN, da sich erstere weltweit durchsetzte. Dem Rez. ist kein Buch bekannt, in dem man vergleichbar viele Fotos von Pollenkörnern findet. Es ist im wahren Sinne ein »Leitfaden der Pollenbestimmung«, kein Lehrbuch, wie die Werke von VON POST, BERTSCH, ERDTMAN, FAEGRI & IVERSEN oder MOORE, WEBB & COLLINSON. Die ersten beiden (über 60 Jahre alt) erwähnt der Verf. nicht einmal im Literaturverzeichnis. Die anderen beziehen sich nicht auf Mitteleuropa und enthalten entweder weniger oder gar keine Fotos von Pollenkörnern.

Wer Pollenkörner unter dem Mikroskop bestimmen will, egal aus welchen Gründen, dem wird dieses Buch eine sehr wertvolle Hilfe sein, wenn nicht gar das Nonplusultra der Pollenbestimmung. Sicherlich wird es auf Jahre oder Jahrzehnte nichts Vergleichbares geben. Gegenwärtig scheint kein anderer Verfasser ein vergleichbares Werk schaffen zu können.

Dem Verf. ist zu wünschen, daß er bald die zweite Auflage vorlegen kann, denn die wird sicher bald notwendig werden: Obwohl der Preis zunächst hoch erscheint, so relativiert sich das sehr rasch, wenn man an die Vielzahl der erfaßten Taxa mit den guten Fotos denkt und dann vergleicht, was z. B. die einzelnen Lieferungen der bisher unvollendeten »Northwest European Pollen Flora« (Hrsg. PUNT & BLACKMORE) kosten.

D. H. STORCH

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