Besprechung

TELMA –
Berichte der
Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde

34 (2004), S. 218-219

BEUG, H.-J. (2004): Leitfaden der Pollenbestimmung für Mitteleuropa und angrenzende Gebiete. – 542 S., 29 Abb., 13 Tab., 120 Taf.; München (Verlag Dr. Friedrich Pfeil). ISBN 3-89937-043-0.

 

Der "Leitfaden der Pollenbestimmung für Mitteleuropa und angrenzende Gebiete" ist als Gesamtkonzept nach mehr als vier Jahrzehnten verwirklicht worden. Eine erste Lieferung unter diesem Titel brachte der Autor bereits 1961 als 61 Seiten starkes Heft heraus, das damals allerdings nur Teile der mitteleuropäischen Pollenflora abdeckte. Geplant waren drei weitere Lieferungen, die aber nicht mehr erarbeitet wurden. Das Projekt wurde von H.-J. Beug jedoch nie aufgegeben, und im Ruhestand ist nun in mehreren Jahren das vorliegende umfassende Werk mit gleichem Titel entstanden, das auch die 1961 publizierten Sippen einschließt.

 

Wie bei botanischer Bestimmungsliteratur allgemein üblich, findet sich in dem »Leitfaden der Pollenbestimmung für Mitteleuropa und angrenzende Gebiete« leider keine genaue Beschreibung des Anwendungsraumes, für den das Werk konzipiert wurde. "Mitteleuropa" ist keine definierte Region, sondern bisweilen sehr unterschiedlich abgegrenzt worden. Im Leitfaden wird vielmehr darauf verwiesen, dass "etwa" (Seite 22) die Gebiete nach HEGI’s "Flora von Mitteleuropa" berücksichtigt werden, also einschließlich der Alpen. Wo liegen die Abweichungen gegenüber HEGI, wo die Übereinstimmungen? Der Leser hätte sicherlich erwarten können, das geografische Einzugsgebiet klar umrissen zu bekommen, auch und gerade im Sinne des Gesamtverständnisses einer so umfassenden Arbeit.

 

Knapp, aber erschöpfend werden in dem einleitenden Kapitel des "Leitfadens" Hinweise zur Herstellung von Pollenpräparaten sowie zu den mikroskopischen Untersuchungen inklusive der Mikrofotografie gegeben. In einem Glossar sind die in der Palynologie gebräuchlichen Fachbegriffe erklärt. Ein eigenes Unterkapitel widmet sich dem schwierigen Feld, wie taxonomische Einheiten in der Pollenbestimmung definiert werden. Beschlossen wird dieses einleitende Kapitel durch getrennte Bestimmungsschlüssel für die Skulpturtypen der Pollenkornexine und die Pollenklassen. Da diese beiden Bestimmungsschlüssel von zentraler Bedeutung für die weitere Gliederung des "Leitfadens" nach pollenmorphologisch definierten Pollenklassen sind, verwundert es, sie als Unterkapitel in der Einleitung eingruppiert zu sehen. Die hervorragend herausgearbeitete Differenzierung der tricolpaten, tricolporaten und tricolporoidaten Pollenklassen nach Skulpturmerkmalen trägt ganz wesentlich zum Wert dieses Bestimmungswerkes bei, findet sich aber leider nicht in dem Bestimmungsschlüssel für die Pollenklassen wieder. Für den erfahrenen Pollenanalytiker ist dies sicherlich nicht erwähnenswert, für den sich in die Pollenanalyse Einarbeitenden aber doch ein Nachteil.

 

Der Hauptteil des "Leitfadens" umfasst die Beschreibung von 31 Pollenklassen. Eingangs eines fast jeden Kapitels findet sich ein Bestimmungsschlüssel, der zu den bestimmbaren Pollentaxa der Klasse führt. Durch Querverweise zu anderen Klassen gelangt der Benutzer auch bei nicht eindeutig zuzuordnenden Pollentaxa ans Ziel. Jede auf diese Art bestimmte Pollensippe ist im Anschluss an die Bestimmungsschlüssel ausführlich – ggf. mit weiteren Unterschlüsseln – und systematisch beschrieben. Das erleichtert den praktischen Umgang mit dem "Leitfaden der Pollenbestimmung" enorm und hilft beim Vergleich mehrerer in Frage kommender Taxa. Auf problematische Zuordnungen und Alternativen wird ebenso eingegangen wie aufweiterführende Literatur.

 

Sehr übersichtlich ist das ausgewertete rezente Vergleichsmaterial dokumentiert, sowohl hinsichtlich der maximalen und minimalen Größe der Pollenkörner sowie ihrer Durchschnittsgröße als auch in Bezug auf das Alter und die Anzahl der herangezogenen Rezentproben. Unmittelbar unter der jeweiligen Überschrift eines Pollentaxons sind Abbildungen und Tafeln mit dazugehörigen Fotos vermerkt. Die Lichtmikroskop-Aufnahmen einer Vielzahl von Pollenkörnern in verschiedenen Schnittebenen auf 120 ganzseitigen Fototafeln sind eine der großen Stärken dieses Werkes. Die Fotos wurden unter Ölimmersion aufgenommen und sind von exzellenter Qualität. Die Pollenkörner wurden durchweg in 1000facher Vergrößerung abgebildet. Sie sind damit in ihrer Größe direkt vergleichbar. Fotos unter Phasenkontrast und bis zu 2000fache Vergrößerungen helfen in schwierigen Bestimmungsfällen weiter. Auch wenn diese jetzt publizierte Fotosammlung mit den umfänglichen Bestimmungsschlüsseln die vollständigste für die mitteleuropäische Pollenflora ist, weist der Autor ausdrücklich darauf hin, dass zusätzlich auf eine umfangreiche rezente Vergleichssammlung in der Pollenanalyse zurück gegriffen werden sollte.

 

Vervollständigt wird der "Leitfaden der Pollenbestimmung" durch ein allgemeines Literaturverzeichnis und ein spezielles Verzeichnis, in dem pollenmorphologische Spezialuntersuchungen nach Pflanzenfamilien zitiert werden. Ein Register der in diesem Werk erwähnten und größtenteils umfassend bearbeiteten Taxa ermöglicht die schnelle Orientierung und gibt einen Überblick über pollenanalytisch bestimmbare Sippen.

 

Wer sich mit der Pollenanalyse quartärer Schichten oder auch mit der Analyse rezenten Blütenstaubs beschäftigt, der wird mit Hilfe dieses Werkes nahezu alle Pollenkörner bestimmen können. Insgesamt ist der "Leitfaden" nicht nur jedem angehenden, sondern auch dem erfahrenen Palynologen zu empfehlen.

 

G. CASPERS

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