| Besprechung |
54 (2004) 2, S. 332
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BEUG, H. J.: Leitfaden der Pollenbestimmung für Mitteleuropa und angrenzende Gebiete. – München: Pfeil-Verlag, 2004. – 542 S., 120 Taf.; 29 Abb., 12 Tab., zahlreiche Bestimmungsschlüssel. – ISBN 3-89937- 043-0.
Erstmals ist mit dem "Leitfaden" ein Bestimmungswerk erschienen, das die gesamte Pollenflora Mitteleuropas und angrenzender Gebiete abdeckt. Rund 2500 Pflanzenarten hat der Autor untersucht und daraus bestimmbare 586 Pollentypen ermittelt. Nur wer selbst schon eine Pollensammlung angelegt hat, kann erahnen, wieviel Zeit und Mühe allein die Beschaffung und Präparation des Pollens so vieler Arten gekostet hat. Das Werk enthält ausführliche Beschreibungen der einzelnen Pollentypen. Fast immer nahe am Text plaziert sind 120 ganzseitige Fototafeln bei meist 1000facher Vergrößerung des Pollens. Die Fotos wurden mit dem Lichtmikroskop angefertigt, wobei oh mehrere Schnittebenen abgebildet sind. Hier zeigen sich in eindrucksvoller Weise die in Jahrzehnten erworbenen Erfahrungen des Professors für Palynologie an der Universität Göttingen, der bereits 1961 einen ersten "Leitfaden der Pollenbestimmung" vorgelegt hatte.
Nach einem Schlüssel für die Zuordnung eines Pollenkorns zu einer der 23 Großgruppen (Pollenklassen) werden diese in jeweils eigenen dichotomen Bestimmungsschlüsseln behandelt. Die Verwendung sowohl morphologischer als auch quantitativer Merkmale resultiert u.a. in fast 600 "taxonomischen Einheiten der Pollenbestimmung", den "Pollentypen". Diese unterscheiden sich aber nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in ihrer Definition und Benennung von den "Formen" ZANDER’S (1935), der in seinem klassischen Werk "Pollengestaltung und Herkunftsbestimmung bei Blütenhonig" bei den sehr artenreichen Familien und Gattungen 35 Gruppen differenziert hatte. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis listet sämtliche zu den jeweiligen Pollenklassen gehörenden Pollentypen auf. Die Terminologie richtet sich durchweg nach IVERSEN & TROELS-SMITH im "Textbook of pollen-analysis" von FAEGRI & IVERSEN. Wer mit diesem Buch bereits gearbeitet hat, dem wird die Verwendung der Schlüssel leichter fallen als einem Anfänger, der sich erst mit vielen Fachbegriffen vertraut machen muß, was allerdings durch ein Glossar und prägnante Zeichnungen erleichtert wird. Neben einem Verzeichnis der zitierten Literatur finden sich zusätzlich auch ein nach Pflanzenfamilien sortiertes Literaturverzeichnis sowie eine Anleitung zur Herstellung von Pollenpräparaten und Hinweise für mikroskopische Untersuchungen und die Mikrofotografie.
Das Werk richtet sich vor allem an vegetationsgeschichtlich Arbeitende, die mit fossilen Pollen des Quartärs und späten Tertiärs konfrontiert sind. Die Pollenanalyse findet aber u.a. auch in der Honig- und Bienenkunde Anwendung: Sie ermöglicht es z.B. zu ermitteln und zu beweisen, an welchen Pflanzen (Arten, Gattungen, Familien) die Weibchen der rund 550 in Mitteleuropa heimischen nestbauenden Bienenarten Pollen für ihre Brut sammeln. Dabei wird das Untersuchungsmaterial vor der Einbettung in Glycerin-Gelatine aber in der Regel nicht azetolysiert. So behandelte Pollen zeichnen sich durch typische Quellungsformen aus und die durch Anwendung der Azetolyse-Methode erarbeiteten Pollenmerkmale können nicht immer nachvollzogen werden. Dennoch kann auch hier das Werk von BEUG für die Bestimmung erfolgreich genutzt werden, nämlich vor allem dort, wo charakteristische Exineskulpturen und Besonderheiten in der Ausbildung der Aperturen unabhängig von der Art der Vorbehandlung eine Zuordnung ermöglichen. Hierbei sind vor allem die hervorragenden Fotos gerade auch für den "Apido-Palynologen" äußerst hilfreich. Dieses umfassende und überaus fundierte Bestimmungwerk wird rasch für jeden, der sich intensiv mit der Pollenanalyse beschäftigt, zu einem unentbehrlichen Begleiter werden. P. WESTRICH |
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