| Besprechung |
93 (3), S. 186
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Beug, H. -J.: Leitfaden der Pollenbestimmung für Mitteleuropa und angrenzende Gebiete. Den ersten Anlauf zu seinem umfassenden Werk nahm Hans-Jürgen Beug, Professor em. für Palynologie an der Universität Göttingen und Direktor des Instituts für Palynologie und Quartärwissenschaften, bereits 1961. Damals erschien bei Gustav Fischer unter demselben Titel die Lieferung 1 mit 63 Seiten Umfang. Seitdem sind mehr als 40 Jahre vergangen, in denen die Fachwelt auf die Vorstellung des Werkes gewartet hat. Kann es auch das Steckenpferd der Liebhaber-mikroskopiker auf Trab bringen, die manche Zweige der Pollenkunde schon immer gereizt haben? Besonders in der angewandten Palynologie sind ihnen einige Gebiete leicht zugänglich: Honigpollenanalyse, Echtheitsprüfung von Drogen, Pollenanalyse: Vegetations- und Klima-Vor geschichte (Hochmoore), Pollinosis (Allergien), Aeropalynologie. Selbst einige Zweige der Grundlagenforschung sind dem Hobbymikroskopiker nicht verschlossen. Zur intensiven Beschäftigung mit der Pollenkunde ist ein verlässlicher Bestimmungsschlüssel Voraussetzung. Beugs Leitfaden umfasst als erstes Bestimmungswerk die gesamte mitteleuropäische Flora einschließlich der Alpen. Auch wichtige Arten aus Süd-, West- und Nordeuropa sind einbezogen. |
Einleitend gibt Beug eine Anleitung zur Präparation und Fotografie der Pollen. Die Mannigfaltigkeit der Pollenformen hat der Verfasser in bewährter Weise in 31 Klassen eingeteilt, die im vierseitigen Schlüssel zeichnerisch dargestellt sind. Ein anderer Schlüssel mit Schemazeichnungen zeigt die typischen Slkulpturformen. Das siebenseitige Glossar bietet weitere Hilfe. Den Abschluss bilden die zitierte Literatur mit drei, die Literatur über die Pflanzenfamilien mit 19 und das Register mit 28 Seiten. Der Hauptteil mit 465 Seiten besteht aus den umfassenden Bestimmungsschlüsseln für die Pollenklassen mit ausführlichen Beschreibungen der einzelnen Pollentypen, aufbauend auf den feinsten Strukturdetails der Pollenwand, bebildert mit circa 3000 Mikrofotografien bei meist 1000facher Vergrößerung, mit Zeichnungen und ergänzt mit Messreihen. Die überwiegende Mehrzahl der Pollenkörner bildet Beug in mehreren typischen Lagen oder Varianten ab. Die Bildlegenden bestehen aus Artname und Gesamtvergrößerung. Phasenkontrastaufnahmen sind als solche gekennzeichnet, DIK-Aufnahmen hingegen nicht. Die Aufnahmen selbst bestechen durch ihre hohe Qualität, die jahrelange mühevolle Fotoarbeit mit der Ölimmersion kann man sich lebhaft vorstellen. Saubere Buchbinderarbeit mitsechsfacher Fadenheftung und der stabile Leineneinband gewährleisten Haltbarkeit. Aufgeschlagene Seiten bleiben liegen wichtig, wenn beide Hände am Mikroskop sind. |
Das chlorfrei gebleichte, weiße Papier und die gestochen scharfen Schrifttypen ermöglichen das Lesen auch an einem dämmerigen mikroskopischen Arbeitsplatz. Der Bildteil ist bei einem Bestimmungsbuch sehr wichtig. Das seidenmatt glänzende Papier unterdrückt Reflexe und erleichtert ebenfalls das Hantieren mit dem Buch. Der Druck der Fotos auf diesem Papier ist so gut gelungen, dass man das zusätzliche Quäntchen an Brillanz, welches Hochglanzpapier sonst bietet, kaum vermisst. Manche Bilder könnten jedoch durch etwas hellere Wiedergabe oder höheren Kontrast gewinnen, die mühelose Erkennbarkeit der feinen Strukturdetails dadurch noch verbessert werden. Der Preis des Buches ist angemessen, sein Gegenwert hoch: Es kann Grundlage, ja Voraussetzung für ein Jahre oder Jahrzehnte währendes, faszinierendes Hobby sein, das wegen der zahlreichen Verflechtungen der Pollenkunde mit anderen Wissensgebieten stets hochinteressant, facettenreich und anregend bleiben wird. Ich habe noch keinen so vollständig-umfangreichen und gut bebilderten Pollenbestimmungsschlüssel in der Hand gehabt. Seiner Vollendung hat Beug seine ersten Jahre als Emeritus gewidmet. Dafür sei ihm gedankt. Klaus Henkel, Dachau |
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