| Besprechung |
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Wägele, Johann-Wolfgang: Grundlagen der Phylogenetischen Systematik (2. überarbeitete Auflage). Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2001, ISBN 3-931516-93-8, 320 S., 200 Abbildungen, 17,5 x 24,5 cm, gebunden. 45,– Euro Wenn bereits ein Jahr nach Erscheinen der ersten Auflage von J.-W. Wägeles "Grundlagen der Phvlogenetischen Systernatik" eine zweite erscheint, spricht dies – ganz unabhängig von der Höhe der Auflage – für eine positive Aufnahme des Buches und für einen gewissen Bedarf. Dass beide Auflagen überdies in deutscher Sprache erschienen sind (das schließt ja zukünftige englische Ausgaben nicht aus), ist sicher kein Anachronismus, sondern entspringt vielleicht der Einsicht, dass es auch heute noch, trotz Globalisierung und Primat der englischen Sprache in den (Natur)wissenschaften, vielen Studierenden leichter fällt, sich in ihrer eigenen Sprache ein Arbeitsgebiet zu erschließen, das ein breites biologischen Wissen voraussetzt, und dass sich dank der molekularen Analysemöglichkeiten in stürmischer Entwicklung befindet. Dafür ist dem Autor und dem Verlag zu danken. J.-W. Wägeles Buch. ist, namentlich für den Anfänger, nicht leicht zu lesen. Das liegt an der Materie, manchmal aber auch an dem Bestreben des Autors, alles möglichst klar und verständlich zu definieren. Wenn man sich aber die Mühe macht, das Buch durchzuarbeiten, wird man reichlich entschädigt. Die neue Auflage hat erfreulicherweise kaum an Umfang zugenommen. Die große Anzahl eingängiger Beispiele ist geblieben. Um die Neuerungen zu bemerken, muss man allerdings schon sorgfältig lesen. Meist handelt es sich um kürzere Einschübe, die einen Sachverhalt klarer wiedergeben als in der früheren Auflage, unter anderem dort, wo die klonale Fortpflanzung (S. 47), die "biologische" Art (S. 55) oder Ähnlichkeiten (S. 117) behandelt werden usw. Neu sind zudem eine Tabelle auf S. 114, die versucht, den Zusammenhang zwischen den Begriffen Taxon und Kategorie und deren Unterscheidung klar zu machen, ein Einschub, der an Leonardo da Vincis Mona Lisa die Bedeutung von Prozessen und Mustern für die Merkmalsanalyse erläutert (S. 130ff und Abb. 79) sowie Abb. 134 zu Fehlerquellen der phänetischen Kladistik. |
An der Einteilung in 14 Großkapitel hat sich nichts geändert: 1. Wissenschaftstheoretische Grundlagen (über die sich mancher Systematiker nicht im Klaren ist); 2. Der Gegenstand der Plylogenetischen Systematik (hier auch die Erörterung des schwierigen Artbegriffs); 3. Stammbaumdiagramme und Benennung von Abschnitten; 4. Die Suche nach Indizien für Monophylie (ab hier stets wertvolle Empfehlungen für die Praxis); 5. Phänomenologische Merkmalsanalyse (Homologiekriterien, Homologisierung morphologischer und molekularer Merkmale, Lesrichtung); 6. Rekonstruktion der Phylogenese (phänetische Kladistik, phylogenetische Kladistik); 7. Prozessorientierte Merkmalsanalyse (Abschätzung der Ereigniswahrscheinlichkeit); 8. Rekonstruktion der Phylogenese: Modellabhängige Verfahren (Rekonstruktion von Stammbäumen mit Mitteln der Statistik); 9. Fehlerquellen; 10. Prüfung der Plausibilität von Dendrogrammen; 11. Der Wert der gewonnenen Erkenntnisse für andere Untersuchungen (Phylogenetische Untersuchungen werden nicht nur zum Selbstzweck betrieben); 12. Systematisierung und Klassifikation (Systematisierung auf der Grundlage der rekonstruierten Abstammung); 13. Allgemeine Gesetze der Phylogenetischen Systematik; 14. Anhang: Verfahren und Begriffe (Darstellung einiger gängiger Methoden für den Fortgeschritteneren). Hilfreich sind auch eine Auflistung verfügbarer Computerprogramme und Internetadressen (15), das umfangreiche Literaturverzeichnis (16) und ein ausführlicher Index (17). Sicher muss die Systematik heutzutage nicht mehr um Anerkennung als empirische Wissenschaft kämpfen, doch ist nach wie vor die Zah1 derer, die Systematik ohne theoretischen Unterbau betreiben und die hilflos vor der Fülle von (modernen) Analyseverfahren stehen, groß. Diesen kann mit den "Grundlagen der Phylogenetischen Systematik" geholfen werden. Hartrnut Greven, Düsseldorf |
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